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Gutmenschlichkeit

Mit dem Begriff “Gutmensch” werden bisher meist allerlei Leute bedacht, denen eine naive Weltsicht unterstellt wird. Wer nicht glaubt, dass sich Probleme mit Gewalt lösen lassen, ist ein Gutmensch. Also ein Depp.
Wer meint, dass sich Leute nicht aus angeborenem Hass gewalttätiger Mittel bedienen, ist ein Gutmensch. Wer sich traut, zuzugeben, die Welt explizit verbessern zu wollen, ist ein Gutmensch. Wer nicht davon ausgeht, dass die Welt untergeht, weil xy, ist ein Gutmensch.
Wer hin und wieder auch mal langsam tut mit dem Fallbeil der Urteile, ist ein Gutmensch.
Als gäbe es nicht auch manchmal Gründe für bestimmte Sachverhalte. Als würden menschliche Entscheidungen vom Himmel fallen.

Personen, die diesen Begriff benutzen und damit eindeutig sagen, dass es lächerlich, schlecht fürs Image und ingesamt schlecht ist, sich auf die gute Seite der Macht zu stellen, ziehen es vor, nicht mal für das Schlechte zu sein. Sondern für gar nichts. Bevor man sich in Widersprüche verwickelt, die man ständig bei den anderen entdeckt und hämisch rumzeigt, hat man lieber gar keine Meinung. Als wäre das größte Problem dieser Welt nicht ihr Zustand, sondern Leute, die etwas daran ändern wollen. Und das auch tun.

Es geht mir dermaßen unfassbar auf den Sack, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es allen Ernstes als Beleidigung aufzufassen ist, wenn man als guter Mensch bezeichnet wird. Wegen der Ironie. Uuuh!
Welch eine Beleidigung für die Ironie, die so vergewaltigt wird. Ironie macht nur Spaß,
wenn sie nicht die einzige Kommunikationsform ist. Es ist bisweilen grotesk, wie viel Angst vor einer wirklichen Position aus all den tausenden Ironikern schreit.
Sogar diejenigen, die sich selbst auf der guten Seite wähnen, trauen sich ja oft nicht mal, ernsthaft zu sagen, was sie wollen. Im Leben, in der Welt und sonst so. Weil es lächerlich klingt.
Der Gutmensch nach unserer Auffassung traut sich, Dinge ernst zu meinen. Wieso soll man denn immer so defensiv an seine Weltanschauung herangehen? Wieso sollen die Arschlöcher voller Stolz herausposaunen können, was immer ihnen gerade einfällt, während die Gutmenschen aus Angst, ausgelacht zu werden, ihre Ziele, Träume und Einstellungen im stillen Kämmerlein auf einen kleinen Zettel schreiben?

Wenn man zwar für die Rechte Homosexueller kämpft, aber gleichzeitig ziemlich rassistisch
ist, ist man dann besser? Zivilcourage ist natürlich etwas Feines, aber sie soll allen Menschen zugute kommen und nicht nur weißen Familienvätern mit Festanstellung.

Die Gutmenschlichkeit vereint ganz simpel all diese Kämpfe für das Gute in dem Ziel. Nicht die Ablehnung von schlechten Dingen (rassistische, sexistische und sonstwasistische Einstellungen) ist Sinn und Zweck und Ziel der Gutmenschlichkeit, sondern eine Welt, in der jeder Mensch ein freies Lebewesen sein kann, ohne sich ständig für sein Dasein zu rechtfertigen. Dass man dabei natürlich auch allerlei negatives Gedankengut ablehnen muss, ist selbstverständlich. Im Fokus ist aber die bessere Welt und vor allem ist die Gutmenschlichkeit radikal ganzheitlich.
Jeder kann ein Gutmensch sein. Dazu muss man nicht Marx gelesen haben, man kann das aber sehr wohl tun. Entscheidend ist, wie gehandelt wird. Das heißt mitnichten, dass man nicht auch äußerst bestimmt und bisweilen aggressiv auftreten darf. Die Aggression muss nur einen Zweck haben und sollte sich nicht darauf beschränken, irgendwelche Leute oder am besten noch eigentlich neutrale Personengruppen (Vorarlberger Linkshänder z. B.) persönlich zu beleidigen.

Die Gutmenschlichkeit hat den Vorteil, dass sie nicht exklusiv ist. Manche Gruppierungen haben einen sehr ausschließenden Anspruch, der leider letzten Endes eher nicht so konstruktiv ist. Ist ja schön und gut, die Welt als absolut dunklen Ort und Vergegenständlichung abgrundtiefer Horrorvisionen zu sehen. Ist auch total intellektuell und kritisch und so. Das Problem ist, dass diese Erkenntnis allein eben überhaupt nichts ändert. Man sollte vielleicht auch etwas tun, wenn man schon erkennt, wie schlimm es teilweise um die Menschheit bestellt ist. Tut man das nicht, hat man nicht auch nur ein einziges Recht, noch jemals wieder irgendein Urteil abzugeben.
Es ist nicht schwer, die Welt zu verändern. Jeder Mensch ist Teil dieser Welt. Und wenn man sich selbst ändert, hat man auch schon etwas für die Welt getan, also was soll das? Das sollte nicht alles bleiben, aber ganz besonders Radikale, die in ihrer Radikalität dann gar nichts erreichen, sollten nicht arrogant auf die herabschauen, die lieber erst mal zehn Leute
dazu bringen wollen, den Stromanbieter zu wechseln. Wenn sie das schaffen, haben sie mehr erreicht als jemand, der daran scheitert, bei Microsoft den Kommunismus einzuführen. Radikale können natürlich trotzdem Gutmenschen sein, es soll sich nur niemand auf irgendetwas irgendetwas einbilden. Wichtig ist der Umgang mit anderen Menschen.

All das könnte man auch unter dem gesunden Menschenverstand abhaken. Natürlich. Am Ende ist es auch nicht primär wichtig, wie man es nennt, sondern dass man Gutes tut. Und dass man sich dafür verfickt nochmal nicht entschuldigt. Was im Einzelnen gut ist, kann man nie vorher sagen. Aber hier soll darüber diskutiert werden.

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30 Responses to “Gutmenschlichkeit”
  1. Lennart Lennart sagt:

    Hey,

    erstreckt sich die FICKO’sche Gutmenschlichkeit eigentlich auch auf geschlechtergerechte Sprache?

    lg, lenny

  2. form form sagt:

    Kann ein jedes selbst entscheiden. Ich persönlich finde Feminismus sehr sinnvoll und bezeichne mich auch als Feministen, habe aber des öfteren z. B. ästhetische Probleme mit einer vermeintlich geschlechtergerechten Sprache. “Mensch” statt “man”, das finde ich zu kompliziert, sprachfeindlich und damit kontraproduktiv. Die Idee an sich ist ja schon schlau, nur haperts an einer tauglichen Lösung. Ich versuche das zu vermeiden, indem ich mich gar nicht in die Bredouille bringe, sondern anders formuliere.

  3. Heike Tharun Heike Tharun sagt:

    Nachdenkenswerte Gedanken. Dank dafür. Viele Grüße Heike Tharun

  4. MrMinister MrMinister sagt:

    Yohiooo :]

    feine Site, und ein herzliches Danke für das Intro.
    Schön zu lesen, das sich da Empfindungen regen, die man selber für erachtenswert hält.
    Schöner guter alter Menschenverstand ward genannt, *g*

    Also, wenn sich denn ein Gefühl regt, das man innerlich insich steht, und dabei ganz und gar als Mensch erkennbar wird,… (sagen wir mal, von aussen, durch einen Beobachter, der Selbstbewusst, aber am besten nicht Erdlich ist..) da wollen wir hin?!

    Ich glaube also, den Wunsch etwas zu tun, aus Gutmenschlichkeit heraus, gebierst du leicht und heiter, wenn dein Weg dir klar, das Leben dir wert ist und du deinen Sinn Frei machen kannst.

    Diese muffeligen Gesichter in der U-Bahn…, das sind meistens gar keine, das bist DU ^^

    grüße

    Christian

  5. form form sagt:

    Ich glaube, ich kann dir beipflichten, bis auf den göttlichen Touch, den diese nichtirdische Instanz wohl haben muss. Wir wollen Gutmenschen der Menschen wegen sein, nicht um irgendwelchen Wesen zu gefallen.

    Achja, an alle: Hier stand ein Haufen Kommentare, der ist hoffentlich nicht weg, sondern nur mit dem Serverumzug verschütt gegangen. Es folgt auch noch viel mehr zur Gutmenschlichkeit, nur gab es da noch technische Probleme, die hoffentlich bald mal behebt sind.

  6. MrMinister MrMinister sagt:

    jau,
    einem solchen Ausserirdischen Gefallen müssen wir nicht, aber wenn wir ihn treffen, nach seiner Meinung ein Bild von uns zu Erfahren, wäre der Mühe nicht nur Wert, sondern eben auch essentiell, um zu verstehen, was uns eigentlich ausmacht.
    Wer sind wir, wer ist der Mensch…
    Solange wir das nicht beantworten können, ändert sich nicht der Anspruch an uns selber, nämlich das Beste zu tun, was in uns liegt, und das ist primär produktiv.
    Das entsprechende Gleichniss dafür finden wir in unserer Mutter Natur, wo nicht einfach nur der “Kampf ums Dasein”, “Überleben des Stärkeren” herrscht, sondern eine Symbiose, und ein Einverständniss von Leben, das sich selbst behauptet und das Beste aus der Kombination Lebenswelt und Nichtlebenswelt macht…
    Können oder dürfen wir uns daran noch ein Beispiel nehmen, wo wir doch schon erheblich aus dem natürlichen Rahmen ausscheiden? Ich glaube ja, denn unsere Wurzeln liegen alle zusammen dem Lebendigen.

  7. Iris Iris sagt:

    Ich find Dich gut, Mensch :o ).

  8. Onkel Don Onkel Don sagt:

    Ich mag diese Seite. Irgendwie wirkt hier alles empört, sogar die Empörung über die Empörten ist so empört, dass man vergisst, dass ja die Empörten eben schon empört sind und sich darüber zu empören paradox. Ich mag auch das Wort Fickfresse. Ich bin für direkte Sprache. Nicht so für die inklusive, die find ich schwul (ohne jetzt homophob zu sein, ehrlich).

    Die guten Menschen verdienen ihren Platz in unserer Gesellschaft. Bin ich ein Zyniker, sage ich: Das sind die Konformisten, die ihr Gewissen als Lippenpiercing tragen und vermeiden wollen, dass da wer draufhaut – wobei ein bisschen Rumrebellieren allerdings ganz geil ist und Spaß macht. Aber ich bin ja kein Zyniker.

    Na gut, ich bin doch einer. Gut gemeinte Wortspiele wie “Ich find dich gut, Mensch” mit erklärendem Smiley dahinter sind okay. (Okay ist so ein Sozpäd-Wort, aber ich eigne es mir an und verwende es ganz schamlos.) Viel geiler aber find ich: “Leergutmensch” für Flaschensammler. Ich möcht ein Leergutmensch sein, das sind die Rebellen des 21. Jahrhunderts. Die schreiben nicht das Internet voll, sondern gehn raus und machen ihr Ding.

  9. form form sagt:

    Wenn du hier alles empört findest, dann bist du noch nicht lange dabei :D . Aber gut, dir gefällts ja, dann diskutier ich jetzt hier nicht rum.

  10. [...] stehen können werde und mich auch sowieso schon die ganze Zeit mit der Gutmenschlichkeit beim FICKO-Magazin, der Musik, dem großen Ganzen, der Welt, den Frauen, der Dummheit, Hip Hop, Filmen und anderen [...]

  11. Ihr seid mir egal Ihr seid mir egal sagt:

    Ihr nervt, denkt ihr seid die großen Weltverbesserer, dabei sind eure Artikel echt arm. Lauter Pipi-Kacka-Polemik, wäre ich eure Großmutter, würde ich euch an den Ohren ziehen.

  12. form form sagt:

    Endlich! Herzlich willkommen, hinten links ist das Klo und bitte immer schön die Hände waschen!

  13. Jule Jule sagt:

    fickos, ich muss es euch mal sagen: ich liebe euch. scheiße auch mal scheiße zu nennen und so. danke!

  14. form form sagt:

    Sowas hört man sehr gern, sei auch du beschtens gegrüßt!

  15. Rübezahl Rübezahl sagt:

    Schöner Artikel. Zynismus ist – im heutigen Sinne – m.E. ein Zeichen von schwachem Charakter. Ohnmachtsempfinden? Dann müsste ich eigentlich auch einer sein, aber irgendetwas in mir sträubt sich dagegen. Muss wohl die naiv-idealistische Kindheits-indoktrination gewesen sein. ;)

  16. Philzer Philzer sagt:

    @ Gutmensch & Bösemensch:

    Gut und Böse sind Kategorien zur Beschreibung von Verhaltensweisen die aus der Anwendung der Strategien des unbewussten Lebens resultieren. Also das “Prinzip des Stärkeren” und die “Sorglosigkeit”. Diese vom Mensch aus dem unbewussten Leben übernommenen Verhaltensweisen kombiniert die religiöse Bewusstseinsstufe mit der menschlichen Kreativität.

    Das Problem ist in der Philosophie bekannt als Theodizee und geht auf Leibnitz zurück:

    http://www.philosophie-raum.de/index.php?page=Thread&threadID=18832&pageNo=1

    Dies ist unabhängig vom Grad der Gottabstraktion (Mythos-Poly-Mono-Pantheistisch), lediglich der Grad der erlaubten dreidimensionalen Freiheit (Opportunismus) wächst kontinuierlich mit dem Grad der Gottabstraktion und erreicht im Pantheismus der Bourgeoisie, in der nach A.Smith nur noch der Eigenennutz zählt, seinen Höhepunkt. (Marx: Kapitalismus ist der Krieg aller gegen alle). Dementsprechend sind die Mittel zur Generierung von Macht in der Demokratie andere als in den Vorpantheistischen Religionen, denn sie müssen über die zuvor gesetzte Individualisierung wirken können. (in den vorpantheistischen Religionen ist die praktizierte latente Sklaverei in der Familie ein wichtiges machtgenerierendes Element bis in die ärmste Hütte hinein)

    http://www.revleft.com/vb/democracy-pantheism-bourgeoisie-t131250/index.html?t=131250

    Sind diese Korruptionskräfte der Demokratie aus äusseren ökonomischen Gründen nicht realisierbar, gibt es keine “echte Demokratie”, sondern maximal noch Scheindemokratien.
    (Hab ich alles im obigen Link erklärt.)

    D.h. ist die Demokratie am Ende, weil ihr Prinzip “die Ausbeutung von Massen durch andere Massen” nicht realisiert werden kann, wird es logischerweise Kräfte in der Bourgeoisie geben die in vorpantheistische Denkmodelle zurückfallen. (Nationalismus, Rassismus, Religionskrieg etc.)

    Viele Grüsse Philzer

  17. Volkskommissar für Wahrheit Volkskommissar für Wahrheit sagt:

    Anstatt sich auf Kategorien wie “gut” und “schlecht” zu versteifen, die subjektiven Bewertungsmaßstäben zugrunde liegen, wäre es nicht sinnvoller das Richtige zu tun, anstatt das Falsche?

    Ob was (z.B. eine Maßnahme) richtig oder falsch war, lässt sich hinterher schön am Erfolg ablesen (z.B. weniger hungernde Kinder, als im Vorjahr). Dem Ergebnis ist es schlicht egal, ob das Richtige mit guter Absicht erreicht wurde oder nicht. Aber aufgrund einer vorgeblich guten Einstellung darauf zu verzichten, das objektiv Richtige zu machen, weil es als schlecht angesehen wird, ist fahrlässig. Ebenso was vermeintlich Gutes tun, obgleich das Ergebnis zumindest fragwürdig ist.

    Deshalb werden Gutmenschen kritisiert: gut gemeint ist eben das Gegenteil von gut gemacht.

  18. form form sagt:

    Diese Diskussion haben wir tatsächlich auch schon des öfteren geführt. Aber wie du, wenn du FICKO genauer kennst, sicher auch siehst, versteifen wir uns eher nicht so sehr.
    Natürlich ist es aus theoretisch-philosophischer Sicht problematisch, die Dichotomie von Gut und Böse irgendwie zu reproduzieren. Richtigmenschen hört sich aber scheiße an und obendrein verstehen wir die Gutmenschlichkeit eben doch noch viel mehr als das Bekenntnis zum möglichst allumfassenden Versuch, so korrekt wie möglich mit allen und dem Universum umzugehen. Dass wir das nicht perfekt machen, ist uns völlig klar, die Perfektion ist aber unser Ziel, sonst könnten wir es gleich lassen.
    Wir wollen uns eben gerade nicht auf ein Podest stellen, auf dem wird dann wüssten, was richtig oder falsch ist. Wir versuchen viel eher, der vertrackten Frage nachzugehen, ob es nicht verallgemeinerbare Maßstäbe gibt, die dem Allgemeinwohl dienen. Kant und so, z.B. Also Gutmensch zum einen als Bekenntnis zu einem konstruktiven, der Liebe mehr als der Angst zugeneigten Weltbild und obendrein als Kampfbegriff. Wenn uns all diese kognitiv doch recht limitierten Gsichtsgedullahs als Gutmenschen beschimpfen wollen, bitte. Wir sind halt auch welche.
    @Philzer: Sobald die Zeit da ist, versuche ich mal, das alles nachzuvollziehen und antworte dann auch :) .

  19. Philzer Philzer sagt:

    @ Volkskommissar & form:

    Konsens. Hab nur versucht es philosophisch zu betrachten.

    Und da ist eben mein derzeitiger Erkenntnisstand der, dass die Kategorien Gut&Böse in der
    vierdimensionalen Raumzeit, in der wir nunmal leben, versagen.

    Simplifiziertes Beispiel:

    Zu häufiges “Mutterglück” ( opportunistisch – also momentan “das Gute”) bringt eben Bevölkerungsexplosion und zieht nach Biotopübernutzung Hunger und Krieg nach sich.

    Deshalb kann es eben wissenschaftlich, also vierdimensional betrachtet, nur Richtig oder Falsch geben.

    Das die Extrapolation in die Zukunft fehlerbehaftet bleibt, tut dem keinen Abbruch.
    Aber der Irrtum ist natürlich unser ständiger Begleiter.

    Erst der Wille unser Handeln trotzdem vierdimensional zu gestalten, also adäquad zu unserem Erkenntnisvermögen, macht uns zu Menschen.

    Beispiel: Moderne kleine Automobile statt 2Tonnen-Offroader-Monster, ich nenne sie “Panzer fürs Volk”. :-)

    Viele Grüsse

  20. thegreenroom thegreenroom sagt:

    Hallo,

    ich wurde in jüngster Vergangenheit auch mal als Gutmensch bezeichnet, deswegen ist es interessant, dass ich jetzt irgendwie hier gelandet bin. Ich hab die Seite hier jetzt noch nicht genügend durchstöbert um mir ein qualifiziertes Bild zu machen, was an sich schon wieder ein Fiasko ist, aber ich fand die Diskussion interessant und da ich sowas schon ewig nicht mehr gemacht hab, dacht ich, schreib ich doch einfach auch mal wieder was…

    Mein derzeitiger Erkenntnisstand ist, dass es weder gut noch böse oder schlecht an sich gibt. Also universal betrachtet gibt es sie nicht, es gibt nur sein oder nicht sein. Gut und schlecht sind nur menschliche Kategorien. Wenn man das umsetzt kommt man irgendwann in einen Zustand tiefgreifender Freude, aus der auch sehr vieles erwächst, was dann später als gut oder richtig bezeichnet werden kann. Nun wird das von vielen Menschen eben entweder als “nerviges Gutmenschentum” oder Esoterik-Kram abgestempelt. Über solche Leute muss ich mich dann schon wundern!

    Ich denke das Problem ist, dass viele Menschen ein Bedürfnis verspüren “gutes” zu tun, sie sich dabei aber darauf beschränken ihre innere Vorstellung von diesem Guten zu befriedigen. Z. B. eine Spende an irgendeine Organisation oder sowas… Und das ist ja an sich auch nicht verkehrt. Ok, an dieser Stelle ein kurzer Exkurs: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass unser ganzes System an sich nicht vekehrt ist und auch gut funktionieren könnte. Nur, es gibt eben einige, die nicht mitspielen und sich stattdessen an dem System nur bereichern wollen. Naja und dann gibt es eben auch welche, die eine gute Idee mit einer guten Absicht einfach nur schlecht umsetzen und dann wieder ein Fiasko rauskommt. Z. B. Entwicklungshilfe. Was lehrt uns das nun? Gutes nur zu tun um seine Vorstellung von gutem Tun zu befriedigen ist nicht genug. Stattdessen sollten wir uns fragen, wo wir im Alltag da auch anknüpfen können und zwar jeden Tag: Ein freundliches Lächeln zur Frau oder zum Herrn an der Kasse, ein nettes Wort zu unserem Nachbarn, etc.

    Und irgendwo stand noch was von Ironie… Damit hab ich in letzter Zeit auch so meine Probleme. Alles ist ja nun irgendwie nur noch ironisch und wir sind ja alle sooooo lustig. Ich weiß nicht, vielleicht bin ich zu wenig intelligent um den Sinn dahinter zu begreifen? Nicht, dass ich nicht auch mal das Stilmittel der Ironie verwenden würde, aber es gibt ja Leute, die sich nur noch auf dieser “Sprachebene” bewegen. Kann ich denn nicht einfach sagen, wenn mir was gefällt oder eben nicht? Bin ich ein Langweiler? Bin ich altmodisch?

    Damit lass ichs mal gut sein für den Moment…

    Grüße

  21. Andi Andi sagt:

    @form: Für den, der die Perfektion der Gutmenschlichkeit anstrebt, sollte diesen klugen Satz bedenken:

    “Denn die Art, wie man lebt, ist so verschieden von der Art, wie man leben sollte, daß, wer sich nach dieser richtet statt nach jener, sich eher ins Verderben stürzt, als für seine Erhaltung sorgt; denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muß unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen.” Machiavelli, Der Fürst

    Dennoch viel Erfolg
    Deine Gutmenschlichkeit nützt ja Vielen und schadet keinem außer dir selbst.

  22. form form sagt:

    @Andi: Schon klar. Aber 1. ist das Machiavelli. Dessen Weltbild erfüllt sich selbst, indem es prinzipiell nur davon ausgeht, dass alle alle verarschen (sehr grob gesprochen). Gutmenschlichkeit kann sich aber auch selbst erfüllen, schau auf den Tahrir-Platz. Und ich mein das basisdemokratische, gutmenschliche Element, das die meiste Zeit vorherrschte, nicht die 3 Tage Gewalt.
    2. Ich sprech jetzt mal nur für mich: Ich lasse mich nur sehr ungern ins Verderben stürzen von den Arschlöchern und kann wirklich äußerst unangenehm werden, wenn jemand meint, meiner Würde nicht so viel Priorität einzuräumen wie der anderer. Das muss ich jedoch nicht als permanente Drohkulisse vor mir hertragen, denn so ließe sich keine gutmenschliche, also erst mal entspannte und offene, tolerante Atmosphäre schaffen. Wenn aber z.B. im Rahmen der Sarrazin-Sache Leute ihre Drohungen wahrgemacht hätten um mich zu Hause aufzusuchen oder mich körperlich anzugehen, wäre mein Recht auf Selbstverteidigung eher unangenehm für diese Menschen ausgefallen. Das ist eben das Ding, man wird unterschätzt, wenn man nicht präventiv schon Gewalt verkündet. Luxusproblem, würd ich sagen.

    Gutmenschlichkeit schadet mir selbst übrigens nicht, sondern macht mich froh, entspannt, schlagkräftig und sexy. Lies mal nach bei Glücksforschung. Hier z.B.: http://www.gluecksforschung.org/

  23. Andi Andi sagt:

    @form:
    Wenn man mal animmt, dass Gewalt, Beleidigung und Polemik grundsätzlich keine guten Dinge sind und dann deinen Kommentar lese, fällt mir auf, dass du zur Durchsetzung der Gutmenschlichkeit oder der Verteidigung des gutmenschlichen Selbst, auch nicht vor den schlechten Dingen zurückschreckst. Aber indem das Gute in deinen Handlungen keinen Imperativ darstellt, handelst du im eigentlich Machiavellischen Sinne und agierst dort gut oder zum guten Zwecke, wo du es für angebracht befindest und hälst dir das schlechte als notwendiges Übel offen. Von der angestrebten Perfektion ist das weit entfernt.

  24. form form sagt:

    @Andi: Wir nehmen das aber nicht an. Wir sagen, dass Gewalt nur zur Selbstverteidigung legitim ist. Und Beleidigungen und Polemik sind schon gleich 10 Mal legitim, lies doch mal, was wir dazu schreiben. Wieso auch nicht?
    Außerdem ist die Gutmenschlichkeit eben wohl ein Imperativ, sonst wärs ja nicht das Ziel. Also eigentlich nicht so treffend, was du schreibst.

  25. Andi Andi sagt:

    In der Tat schließt ihr diese Mittel nicht aus. Hab ich nicht genau genug gelesen, aber einfach mal wegen gutmeinender Konsistenz unterstellt. Denn nach sorgfältigerem Lesen hab ich solangsam das Verständnis verloren, was der Telos dieses Magazin eigentlich ist. Es ist für das Gute und für Meinungen, aber ohne eine Meinung darüber, was das Gute eigentlich ist. Oder zumindest nur: Gut ist was ad hoc von der Redaktion als gut befunden wird und darf auch mit jeglichem Mittel das von der Redaktion als adäquat eingestuft wird vertreten werden. Also eine Art autoritäre Gutmenschlichkeit im Zweck, aber nicht in der Tat?
    Ich finde, dass, wer die Gutmenschlichkeit zum Imperativ erklärt, sich nicht die Rosinen rauspicken kann, sondern auch schlechte Handlungsweisen ablehnen müsste. Legitimität ist mit illegitimen Mitteln kaum zu erreichen.

  26. Keekson Keekson sagt:

    Ich habe einst gewagt, von einer geeinten Menschheit zu träumen – und das zu meinen Lebzeiten. Ja, lächerlich, aber da wußte ich als Heranwachsender noch nicht all zuviel über dieses damals noch fiktive Gebilde, Menschheit, und die Abgründe, die in uns allen stecken.
    Natürlich stellte sich mir die Frage, was kann ich denn bloß tun, damit es zumindest in diese Richtung geht und wir uns nicht mehr gegenseitig wegen irgendwelchen lächerlichen Unterschieden auf die Glocke hauen, global gesehen. Desillusioniert und ernüchtert… eigentlich auch massiv schockiert seit Jugoslawien ( und Afghanistan und den Rohstoff-kriegen der US.. und Nepal und Tibet …Libyen..), muß ich gestehen, ich verzweifle und zweifle an den Menschen da draußen. Sind “wir” noch so sehr im finstersten Mittelalter steckengeblieben? Und wird das irgendwann BESSER? Oder, wie eher zu befürchten, ist es ein auf und ab mit den Zivilisationen, ohne dass der Mittelwert je klettert? Ich hätte gerne die Hoffnung, dass dem nicht so ist und nicht alles, was aufgebaut wird, gedacht und richtig getan wird, vergeht und vergessen wird. Aber ich habe da so meine Zweifel. Zurück zur Ausgangsfrage… was kann ich denn überhaupt tun? Die Erfahrung “der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen” habe ich selbst gemacht. Ein Vorsatz ist halt noch lange keine Aktivität…
    Meine derzeitige Antwort ist, hilfsbereit zu sein, die Menschen so zu behandeln, wie ich selbst gern behandelt werden würde und meinen Weltzorn (der fiese Bruder vom Weltschmerz) im Zaum zu halten. Meistens. Und die Antwort könnte sich erweitern oder wandeln, denn ich gestehe mir eine Menge Dummheit, Blindheit und mangelnde Bildung zu.

    Ein Nachgedanke.
    Gutmenschlichkeit, oder die Wahl zu haben, “das Richtige” zu tun, oder nenne ich es mal.. Nächstenliebe zu praktizieren, ist ein gebrechliches Gut, eine Luxusware, die oft verloren geht, wenn die Lebenssituation sich zu sehr verschlechtert. Klar gibt es Ausnahmen. Die entkräften diese Tatsache aber nicht. Anders gesagt, um damit auf Andi zu antworten, die ganze Idee ist von vornherein ein Rosinenpicken – aber es zu unterlassen, ist das grössere Übel.

    @Form gut gemacht.

    P.S.: Hütet euch vor Menschen, die keine Tiere mögen.

  27. Berth Enterhaken Berth Enterhaken sagt:

    Dito, Andi ! Aber das ist typisch für die poststalinistische, anti- und pseudo-christliche Linxerei, wie sie in den 80ern vertärkt eingeleitet wurde und nach 89 voll ausgebrochen ist, – undzwar auch, weil die diversen Antikommunisten meinten, sie hätten alles gewonnen.
    Ideologisch am stärksten durchgesetzt – verdeckt oft von einer Reihe tatsächlicher gut- allerdings auch naiv- “menschlicher” Forderungen bzw. Engagements für manche ( nicht für all) Asylsuchende (schlichtweg), gegen Atomkraftindustrie oder Mindestlöhne u.ä. — hat sich daher das, was man am kürzesten als KGB-Ideologie bezeichnen könnte :
    - Der Staat soll für alles herhalten, also auch an allem schuld sein, was ideologisch-sozialpsychologisch oft als “die Gesellschaft” ausgedrückt ist – das Individuum nicht, außer es ist gegen diese auch antimarxistische Ideologie , – oder ebenso, wenn es besser passt/ opportun ist “die Ausländer”, wenn man man damit vor allem einer westlichen Macht oder Idee etwas ans Zeug flicken kann.
    U. a. auch daher die Kumpanei mit östlichen, am besten islamischen Mächten bzw. islamoman-systenmamatische Verharmlosung des Islam ( als Doktrin und Macht) über die gut menschlich klingende Menschelei.
    - Hingegen wurde in den 80ern zurecht an Tucholsky erinnert, der irgendwo etwa geschrieben haben soll, “Wo sich die Menschelei enfaltet, beginnt der neue Nationalismus”. Und das ist es, was sich – zum Teil auch über einige heftige Ausflüge ins magische Denken und sogar politisch angewandten Okkultismus — inzwischen mit den mehr oder weniger eroberten Massenmedien und teilweise eroberten Ministerien in und aus Deutschland breit und breiter macht:
    Ein nationaler Neo-Chauvinismus – in den 80ern-Ansätzen noch von linken Kritikern “Chauvinismus der Herzen” genannt, der neben der Verhinderung der politischen Ziele “nur” zu einigen Selbstmorden und im Namen des “Friedens” beinah zu Massenselbstverhungerungen führte — der im Gewande des Antinationalismus daherkommt. In Wirklichkeit oft, mehr oder minder im Sinne und zur Befriedigung eines überlegenheits-moralischen Rigorismus ( oder politisch pseudo-radikalen Überlegenheitsmoral) sich gegen alles richtet inklusive notwendig nationaler Selbsterhaltungs-Interssen, was sich nicht vorbehaltlos diesen als anti-rechts apostrophierten Chauvinismus unterwirft. – Insbesondere, wenn sich dieser noch zusätzlich mit “Antirassimus” mit einem oberflächlich bis falsch verstandenen Antifaschismus aufläd.
    Spätestens “ab hier” fühlen sich die Betreffenden “Gegen-Gewalt”-Freien frei zur “guten” Gewaltanwendung oder anderer Art der unterdrückenden Ferfemung, mal in der Art eines Bandenwesens und gegen das staatliche Gewaltmonopol, mal und vor allem gegen alle, die – teilweise schon ohne dessen Schutz als Folge einer kulturalisierten, relativistischen oder stimmenerhaschenden Politik — diesen moralüberlegenen, “antirassistischen” und auch demokratie-zerstörerischen Mummenschanz nicht mehr mitmachen wollen. Wo sich diese nur friedlich artikulieren wollen – nicht “friedliche” wirkliche Neofaschisten — und das herrschende, lustvoll-überlegene Welt- und – psychologisch wichtig- Selbstbild angekratzt wird, lugt die Aggression hervor. – Mal mit augenzwinkernd toleranziger Unterstützung von Medien und Polizei, – mal mit weniger, ebfls. je nach Opportunität im Verhältnis zum Kurs der Landesregierung oder zur Außenpolitik, welche sich ebenfalls mal als Heros der Befreiung, mal im Sinne deutsch-türkischer Pipeline- und Außenhandels-Politik sich an die vornehmlich islamischen antidemokratischen Mächte heranschmiert, – selbst eine EU- oder NATO-Spaltung dafür in Kauf nehmend.

    Die Leute, die wir als Kommunisten, Anarchisten, Linksautonome, Linkssozialisten, Trotzkisten, MListen usw. als nette Naive, opportunistische Dummbacken, Moskaus Papageien, systemhörige Sozialdemokraten, gewaltlose Illusionisten usw. bezeichnet hätten, sind heute die so gemeinten GUTMENSCHEN, die es teils durch den linken Zerfallsprozess, teils als Überwohlstandskinder, teils aus dem vom weiter . . . . .

  28. Alexander Alexander sagt:

    Vielen Dank für die Verlinkung zu meinem Blog. Ich werde mich auch noch revanchieren.

  29. form form sagt:

    Bitte bitte :) .
    @Andi: Was glaubst du, was der Untertitel von FICKO genau besagt? Mann Mann Mann…
    @Berth: Boah, das kann ja niemand lesen. Ich fühle mich total unterlegen. Glück gehabt!

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