Veröffentlicht von Sermin am30. Nov 2011
Nichts ist so leicht wie es aussieht
Nur einige Dutzend schlaue Menschen auf der Erde haben wirklich begriffen worum es geht. Ich gehöre nicht dazu. Aber nur weil man etwas “gesetzmäßig” schimpft, heißt das nicht, dass es auch stimmt.
Wieso kommen manche Dinge so wie sie kommen? Während die einen an das kosmische Prinzip von Ursache und Wirkung glauben, besser bekannt als Karma, glauben andere wiederum – ich möchte nicht sagen die Pessimisten unter uns – an nichts außer an Murphys Gesetz. Eine Theorie, die den eigenen Willen, die Macht sein Leben selbst zu bestimmen völlig außer Acht lässt und behauptet: „Wenn etwas schiefgehen kann, dann wird es auch schiefgehen“ oder „Whatever can go wrong, will go wrong“. Fakt ist, dass immer etwas schief gehen kann, ergo im Leben wird immer alles schief gehen.
Deine Beziehung scheitert, während Du gerade deine Magister-, Diplom- oder Doktorarbeit schreibst. Dein Lieblingswollpulli geht dann ein, wenn draußen der erste Schnee fällt. Deine Musikanlage kriegt in dem Moment einen Kurzschluss und fängt in voller Lautstärke an Musik abzuspielen, während du im zarten Alter von 15 Jahren und mit Sangria bewaffnet, Freitagnachts das elterliche Haus durch den Keller verlässt, um auf eine Party zu gehen auf die du eigentlich nicht gehen darfst. Nicht, dass ich im Anschluss nicht sechs Wochen lang Zeit hatte darüber nachzudenken, warum ich ein Schlawiner bin und was meine Anlage eigentlich für ein scheiß Problem hatte, aber bis heute bin ich nicht dahinter gekommen was in der Nacht passiert ist. Kosmisches Karma? Schicksal? Oder der gute Murphy?
Neben all diesen schlauen Theorien und Glaubensbekenntnissen existiert noch eine weitere Weisheit, auch bekannt als Atasöz (türkisches Sprichwort): „Aklima gelen basima gelir.“ Ein unter türkischstämmigen Mitmenschen weit verbreiteter Gedanke ist, dass alles was mir in den Sinn kommt, kurzer Hand auch passieren wird. Man möchte seinem Gast eine Tasse Tee einschütten und kurz vorher sieht man vor seinem geistigen Auge, dass es danebengehen wird und dann geht es daneben. Also bestünde, zumindest nach dieser Volksweisheit, die Möglichkeit, dass wenn man ausreichend positive Gedanken hat und sich keine schlechten Dinge vorstellt, sie auch nicht dein weiteres Leben bestimmen, geschweige denn passieren. Wenn es jedoch nach Murphys Gesetzen geht, funktioniert das nicht. Du wirst immer dann jemanden Interessantes kennenlernen, wenn du gerade in einer glücklichen Beziehung steckst und solltest du jemals in die Verlegenheit kommen Single zu sein, nun, dann sehen alle Männer bzw. Frauen aus wie betrunkene Yetis, die versuchen ihre aussterbende Art zu retten.
Der einzige und entscheidende Faktor hierbei ist doch, was kann ich als Mensch dagegen tun? Ich bin ein Freund von der Vorstellung, dass ich einen freien Willen besitze, aber dieser von meinem Karma bestimmt wird. Karma bedeutet wörtlich „die Tat“ und meint im Buddhismus die Wirkung deines Handelns. Buddhisten sind anscheinend die echten Gutmenschen: Sie töten nicht, sie haben das Ziel geduldig zu sein und so viel Gutes wie möglich zu tun. Eine Religion die konsequent genug ist, dich für deine schlechten Handlungen noch im nächsten Leben zu strafen. Für viele ist es wahrscheinlich ein absurder Gedanke, dass einem selbst schlechtes wiederfährt, weil man es nicht anders verdient haben könnte. Aber ich denke es geht an dieser Stelle nicht um die alttestamentarische Auffassung: „Auge um Auge, Zahn um Zahn”. Nur weil du einst einen Menschen betrogen hast, wirst du nicht unbedingt selbst betrogen. Das wäre sehr wahrscheinlich großer Unfug und auch ziemlich beängstigend. Es heißt doch nicht umsonst, „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“. Man kommt mit sich selbst ins Reine, wenn man versucht ein guter Mensch zu sein und die Menschen zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will. Dann gibt es weniger Auge und schon gar kein Zahn. Solltest du nach einer schlimmen Beziehung und einer noch schlimmeren Trennung, nicht nur die eine Beziehung immer und immer wieder rekapitulieren lassen, sondern Dir auch andere Ruinen anschauen, bist du wahrscheinlich auf dem richtigen Weg. Du fragst dich was in den Beziehungen davor war und welchen Einfluss damalige Handlungen und Entscheidungen das Hier und Jetzt beeinflusst haben könnten und warum alles so gekommen ist, wie es jetzt scheint.
Selbst wenn es nichts bringt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, welche höhere Macht, welches Prinzip verantwortlich für den Verlauf unseres Lebens ist, führt es, ob man will oder nicht dazu, sich Gedanken über sich selbst zu machen. Ein Gesetz wie es Murphy formuliert, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Formulieren wir es doch einfach anders: Wenn etwas gut gehen kann, dann wird es auch gut gehen!




