Veröffentlicht von form am7. Jul 2010
Ceschi – The one man band broke up
1. In Kürze, im Internet hat ja niemand mehr Zeit: Hört diese Musik an! Freut euch daran! Voll geil ey!
2. Um mir journalistisch meinungsführend vorzukommen, werde ich all das auch noch ausführlich begründen. Vor fünf Jahren sah ich auf der Noah23-Tour im Vorprogramm neben dem ebenfalls sehr feinen Misanthrop auch Dj Scientist. Der hatte unfassbare Dj-Action dabei, Mann war das fett. Mittlerweile wohnt er in Berlin und kümmert sich um sehr viele Dinge, z. B. sein Label Equinox Records, das neben ziemlich geiler Musik auch ziemlich sehr aufwändiges und wunderschönes Artwork (z.B. hier oder hier) herausbringt. Sowas kauft natürlich im Vergleich zu seelenloser, hirnfickender, menschenverachtender Dreckscheiße ohne jede Idee, Anstand oder Aufrichtigkeit keine Sau, aber hier lebt ein Rückgrat. Und allein die Existenz einer Wirbelsäule in Verbindung mit der Energie, das auch richtig durchzuziehen, ist schon mehr Ehren wert als jedes Rumgenöle abgehalfterter 23jähriger, die mir erzählen, dass HipHop ja so tot sei oder bald ausstörbe.
Jetzt also Release Nr. 23 auf Equinox Records, in Zusammenarbeit mit Fake Four Inc.. Und was für einer. Ceschi (gesprochen “chess-key” [also "Tschess-kih
]) rappt und singt auf den Beats vom Herrn Wissenschaftler, drei Lieder hat Ceschi selbst produziert. Und allein die Beats sollten jeden Musikfan – idealerweise sind ja Rapfans auch Musikfans; ok, idealerweise sind auch Fußballfans Fußball- und nicht Deutschlandfans, was änderts? – zu Tränen der Rührung treiben. Was da aus den 70ern gesamplet und mit allerlei Instrumenten angereichert wird, ist dermaßen aus einem Guss, musikalisch, treibend, bremsend, abwechslungsreich und fein, dass man sich verwundert die Ohren reibt, wer eigentlich in Deutschland als guter Beatproduzent gilt. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel anderes Zeug höre, aber ich empfinde das alles als die perfekte Umsetzung meiner Idee von HipHop, die auch Jan Delay letztens so schön auf den Satz “Take se best of evrysing” eindampfte.
Musikalisch sehr offen, es wird auch mal fleißig gesungen und tief in Folkrock eingetaucht, aber wie sagte die Handsome Boy Modeling School einst: Rock&Roll could never HipHop like this. HipHop ist so geil. Trotz allem und ohne je irgendwelchen abgelatschten Themen zu bedienen, atmet alles einen ähm (ich hasse das Wort) zeitlosen Vibe aus, dass es eine Freude ist.
Bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass sowohl Ceschi als auch seine gefeatureten Freunde (z. B. Sole) ganz einfach richtig richtig gute Rapper sind. Genauso abwechslungsreich wie die Musik, dabei immer passend geflowt, gern auch mal in Tripletime ausbrechend, dann wieder singend, es ist ein Fest! Das Album behandelt in 13 Liedern die Geschichte und das Scheitern von Julius and the Bearded Saviour und ich muss zugeben, dass ich bisher noch gar nicht bei jedem Lied inhaltlich durchgestiegen bin. Macht aber nix, mit jedem Mal Hören entdeckt man was Neues und in zwei Jahren komm ich dann auch mal überall mit.
Ich weiß, ich wiederhole mich, aber das ist oft die Basis dafür, dass die Botschaft auch ankommt und “The one man band broke up” ist eine weitere durchschlagende Unterstützung meiner Argumente: HipHop ist voll geil, in Deutschland gibt es voll geile Produzenten und wenn ihr solche Musik nicht unterstützt, dann beschwert euch nicht über Rap. Wer gar keine Ahnung von Rap hat, darf gern hiermit beginnen, sich reinzuhören, dann besteht eine Chance, nicht in der Hölle der Whackness zu enden. Eines der besten Alben in ganz HipHop dieses Jahr.
Reinhören ins Album kann man übrigens im feinen Mix von Dj Phonatic.
Und das Video zu “Bad jokes” ist selbstverständlich auch schön:





Was bleibt da noch anderes zu sagen, als: “YEAH!” ?
wenn jemand http://www.google.de/images?hl=de&q=gg%20allin&um=1&ie=UTF-8&source=og&sa=N&tab=wi in seinen songs einbaut hat er schon gewonnen!