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Zigarettenzuschlag

Zigarettenzuschlag

Am 9. 11. 2008 nahm ich in Mainz am Kurzfilmpoetryslam teil, zu dem die Teilnehmer einen Text zu einem Kurzfilm schreiben sollten bzw. irgendwas dazu. Mein Film war der hier:


Und der Text dieser:


Am Anfang und Ende steht der Schlag ins Gesicht.
Die Urerfahrung aller Menschen
Sie schlägt ihn.
Schlägt ihn zu Recht zurecht.
Wenn auch etwas zaghaft.
Ich muss ja sagen, dass mir die Zaghaftigkeit die Galle hochtreibt,
wie sonst nur Schweineschnitzel mit dem Odeur von Roland “Der nahe-Osten-ist-auf der anderen Seite des Rheins”Kochs Verständnis von Kommunismus, das er mit dem Dalai Lama aushandelt,
als dem gerade mal wieder einfällt, dass es in Tibet doch keine Schwulen gibt.

Und das ist ein weiter Weg. Nach oben, immerhin.
Die Galle ist stinkwütend, als sie oben angelangt.
Aber auch etwas aus der Puste.
Halb so wild, sie darf ja an die frische Luft.

Dem Kulturphänomen des Lösens von Problemen durch exzessive Gewaltanwendung lässt sich selten die genau richtige Dosis von Sympathie abringen, aber in diesem Fall ist der Fall klar.
Ich kann mich mit ihr identifizieren. Der schönen Mia. Wie ich mich sowieso mehr mit Frauen identifizieren kann. Nicht nur, um meine feminine Seite auszuleben, sondern auch um der Freude an der Kommunikation zu frönen. Frauen ertränken ihre Dummheit im Gegensatz zu den Männern wenigstens in Makeup und nicht in Bier.
Ich versuche meist, meine Dummheit nicht zu verstecken, sondern immer alles sofort zuzugeben. Wenn man Franz Beckenbauer ist, funktioniert das jedenfalls immer ganz gut.
Oft ist man aber gar nicht Franz Beckenbauer.

In die Tiefen der Genderforschung trau ich mich ohne kompetente Begleitung nicht,
aber auch ich habe erkannt, dass es keine Frau der Fliegen gibt und zumindest das physische Abschlachten, wenn auch möglicherweise aus Sozialisationsgründen meist die Sache der Männer ist.
Wobei auch der Begriff der Frau erstens nicht die herrschaftliche Entsprechung zum Herren darstellt. Aber zweitens liegt es auch sowieso nicht daran, dass sich Eva Hermann ex ante hat durchsetzen können, nicht wahr!?
Man braucht das ja auch nicht gutheißen, fürs Erste reicht es, das Buch zu kaufen und die Kinder an den Ohren groß zu ziehen.
Das Volk ohne Traum.

Ich habe ein kleines Import/Exportunternehmen aufgemacht,
mit dem Hass, der bei mir ein- und ausgeführt wird.
Und jetzt sitze ich wie so viele auf einem großen Außenhandelsdefizit, das strafend sich ergießt
auf unschuldig sich wähnende nur scheinbar Unbeteiligte.

Die Schuldiger geben nicht nach und verschmelzen zu einem,
der mir doch etwas verblüffend ähnelt.
Und es fährt darnieder eine brennende Axt
die spalten kommt, was zu unterwerfen sich nicht überzeugen lässt
unter der Knute des großen Weltgerichts

Und die Blutbande geht in beißenden Rauch auf,
Kontrollierte Sprengungsrauchwolken von Tower Seven
Flight 93-til-Infinity, kill all that whack shit

Zum Glück sind ja auch immer Deutsche unter den Opfern,
von manch einem Flecken hätte man ja sonst noch nie gehört
Bombay soll sehr schön sein, ich schau mir das jetzt auch mal an
Der internationale Tourismus

Als die Menschen den Krieg bemerkten
war das Tor schon geöffnet
Als die Tiere den Wald verließen
war das Feld herum schon abgebrannt

Wovon sollte nochmal alle Gewalt ausgehen?
Von der Zigarettenindustrie?

Schlaue Menschen vor mir wiesen darauf hin,
dass die Gewalt nur keine Lösung sein kann,
wenn sie auch einem Problem gegenübersteht
Gewalt ist keine Lösung, aber ohne Problem braucht man ja sowieso keine Lösung
also wozu unnötig verzichten?
Was glaubt ihr denn? War der Urknall etwa eine sachliche Auseinandersetzung der sich im Konflikt befindlichen Parteien?
Sozial ist, was Arbeit schafft, dachte sich das einbeinige somalische Piratenkind, als es den Sprung in die Relevanz mit Hilfe seiner Spielkameraden auf rauher See endlich doch schaffte.

In Zeiten jedoch, in denen man kaum durch den Hauptbahnhof
kommt ohne mit Massen von Personen, die das “Zurückbleiben, bitte”,  
etwas wörtlich genommen haben,
auf das Aggressivste konfrontiert zu werden

dürfen wir nicht mehr vorab schon verabscheuen
Wir müssen lieb sein
Sehr frei nach Helmut Schön:

Die Nachkriegszeit ist vorbei
Jetzt beginnt wieder die Vorkriegszeit
Der Lauf der Dinge ist kein Marathon
Der Lauf der Dinge ist ein Loop,
Bisschen unsauber geschnitten, macht aber nix
Genau das macht den Charme ja aus

Und leicht betäubt lächeln die letzten Zeitzeugen
als sie erkennen, dass die Snare
doch verblüffend dem Geräusch ähnelt,
das der Dachstuhl der Synagoge in
der Hindenburgstraße 150 Meter von meiner
Wohnung entfernt vor genau siebzig Jahren
die ganze Nacht hindurch durch die Straße schickte

Bis die Gutmenschen sich nicht bewaffnet haben, wird es
so bleiben. Jusqu´ici tout va bien.
Massenfraternisierungen fallen über das Land

CAN WE KICK IT? Yes, we can.

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2 Responses to “Zigarettenzuschlag”
  1. siffigen ranzigen sagt:

    naja, den spot hast du (so nett er auch sein möge) damit jedenfalls in gähnende belanglosigkeit geschickt…ich hatte aber auch erwartet das das korsett der zigarrettenindustriekritik dann doch zu eng für dich wird ;)
    jetzt hätte ich lieber einen spot zum text…
    …der mir sehr gefällt. auch wenn er mich betrübt.
    is this real life?

  2. form form sagt:

    Ich behaupte mal, ja. Da ich ja Gutmensch bin, komme ich auch kaum umhin, das zu tun.

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