Veröffentlicht von form am1. Feb 2010
Köln war gut, Teilen macht Spaß
Mein FICKO-Homie lud also zum Konzert. Ich war letztes Jahr auf der Huss&Hodn-Tour in Weinheim und das war sehr eindrucksvoll, also hin. Und der Illoyal und ich, das ist ja eh Dienstarzt Nuklearmedizin.
Wenn das Ziel nicht weit genug entfernt ist, lohnt es sich in der Regel nicht, zu trampen. Aber die Mitfahrgelegenheiten haben in der Mehrheit leider völlig den Arsch verloren. 15 Euro für 180 km. Solche Leute sollte man gleich in Schneebällen aus Eigenurin ertränken.
Zum Glück fand ich dann doch noch einen, der nur zehn Euro verlangte. Er arbeitet als Psychotherapeut mit der Skan-Methode. Die verbindet das gängige Reden mit der Körperarbeit, Atmen und sowas. Das Ganze geht auf Wilhelm Reich zurück, einen Psychoanalytiker und Schüler Freuds, der dessen Game ab 1920 um die körperliche Komponente upsteppte.
Das war alles sehr spannend zu hören, passt auch bestens in die Gutmenschlichkeit.
Wie man sich vorstellen kann, kam er dann kaum umhin, sich mit Sexualität zu befassen, was natürlich immer schwierig ist, solange noch Kirchen stehen. 1956 wurden das letzte Mal in den USA Bücher von Wilhelm Reich verbrannt. Das hatte auch etwas damit zu tun, dass er Maschinen zum Einfangen der Orgon-Energie verkaufte. Aber mit dem ganzen Gedöns befasse ich mich dann mal nochmal, wenn ich Stefan, den Fahrer, dann für FICKO zum Podcast lade.
Nachdem die Fahrt wetterbedingt (SCHNEECHAOS! MITTEN IM WINTER!) doch etwas länger dauerte, wurden wir in Köln/Sülz entlassen.
Ich rief den äußerst fähigen Hitproduzenten Hotwhyler an (er hat z. B. die “Der größte Hit der 80er“-EP produziert) an, der mich durch das Gewühl der Kölner streets an all den cats vorbei zur Wohnung von Illoyal dirigierte. Leider konnte er nicht zum Konzert kommen. Auch rkns nicht, der musste am Samstag umziehen.
Bei Illoyal zugegen war gerade die bezaubernde Czeska. FICKO-Szenentreffen! Und wir klappten unsere iPhones auf und schlugen uns damit reihum ins Augenfleisch, nur um unsere Einzigartigkeit zu betonen. Ich muss leider darauf hinweisen, dass niemand von uns überhaupt so ein Gerät besitzt. Wo ich doch immer täglich drei Emails bekomme, deren Inhalt sich darin ergeht, ich solle mir doch nicht besser vorkommen (Insider).
Nachdem nun mein Gepäck vortrefflich bewacht und verstaut war, machte ich mich nach einem minimal salzlosen und etwas trockenen, ansonsten aber sehr guten Abendessen auf zum Beep.
Als der Bus anrollt, sehe ich mit schweißverbrannten Augen, dass noch ein Mann in Uniform neben dem Fahrer steht. Also will ich eine Karte. Der Mann ist dafür aber nicht zuständig, das macht der Automat. Ich hatte aber kein Kleingeld, Rapper eben. Der Busdriver nahm das einfach so hin! Auch mein flehentliches Erbeten der Solidarität der anderen Fahrgäste brachte keine Linderung.
The Beep holte mich ab. Ich hatte mir sein “Secondhands Vol. 1” angehört, das ich, warum auch immer, unter “mir etwas zu klassisch” abgespeichert hatte. Das ist es aber gar nicht.
Alter, Hi-Hat Club, Suff Daddy, Twit One! Man muss sich gewahr werden, dass solche Musik aus Menschen kommt, die in Deutschland wohnen und oft sogar hier geboren wurden. Utopien sind nicht immer zum Scheitern da.
Schlussendlich musste ich nestsdichtotrotz dahinfahren. Aber ich komme wieder.
Am nächsten Mittag schien die Sonne, die Nacht hatte noch ein weiteres Mal viel Schnee hineingeschippt und so war es ein herrliches Feeling, so vom Gefühl her. Ich hörte dieses sehr schöne Lied (super Video), während diese sehr schöne Review (1933!) mir die Lachfalten ins Hirn presste.
Czeska musste zum Flughafen, dafür sorgte ein Flugzeug. Die Hinbringung wurde durch ein Auto übernommen. Ich filmte die Schönheit von Bäumen im Gegenlicht. Auf der Ausfahrt vom Flughafengelände in Weeze lag eine 150 m lange, vier Meter breite und ca. 5 cm hohe Eisschicht, die uns ungebremst mit Fastheit in einen Unfall dirigierte.
Dann ging es nach Essen, um Bass Deaph und Devin abzuholen. Die Backness des Pott hing ziemlich bedeutungsschwanger in der Luft rum. Fichtete uns aber nicht an, wir fuhren zurück nach Köln und luden das Schlagzeug ins Auto. Devin und ich wurden kurzerhand rausgeworfen, wir durften mit dem Bus fahren. Kaay. Also hin zu der Lokation.
Nach dem Aufbauen wurde ich von Andre, dem Man of King Georg, wo das Konzert stattfand, fälschlicherweise für verantwortlich gehalten. Ich füllte diese Rolle jedoch mit unvergleichlicher Souveränität aus und schob Budgets um, reformierte hie und da ein wenig rum und hatte alles im Griff.
Dann kamen noch der Retrogott, Herr Hodn und Sylabil Spill, sehr nette und angenehme Menschen. Soundcheck, plötzlich sind Gäste da. Andre fragt mich, ob die drinbleiben sollen. Äh, ich bin hier nicht also Dings, ach …; aber nee Soundcheck, nee die sollen noch nicht rein.
Kurz vor neun fing es dann an. Kurt und Hodn hinter der Bar, Illoyal in der Crowd. Und beides im fliegenden Wechsel, obendrein gebrochen von neurotischen Illoyal-Drumsoli über Bass Deaphs FL-Knarz. Es war super! Herr Spill und Fleur (eh auschecken!) steppten auch mal in die Cypher. Und am Ende musste um kurz nach zehn schon Schluss sein wegen der Nachbarn. Der letzte Track wurde geflüstert, es war ein Spaß. Wie gut ein Rapkonzert sein kann, wenn keine Dummbatzen, Manager oder andere Arschlöcher anwesend sind! Es funktioniert!
Ich kennenlernte noch Jakob, der mit Skribbelgebibble unterwegs ist. Super Sache, da geht tatsächlich mal etwas, ich hoffe, das bleibt so. Sein Homie Dix hat übrigens einen sehr schönen Frickel-/Gitarren-/Instrumental-Mix gemacht!
Dann doch ein recht frühes Nachhausieren, es musste auch noch abgebaut werden. Und dann vier Stunden warten, bis ich pennen konnte. Auf der Heimfahrt nach Mainz am nächsten Tag fiel mir Vollidiot dann ein, dass ich doch eigentlich beim Konzert den Herbert hatte treffen wollen, was ich ganz einfach im Trubel vergessen hatte. Verdammt.
Jetzt noch eine Mischung aus Euphorie und Versöhnung als Fazit und dann geh ich mal doch noch schlafen.





feiner bericht! dabei gewesen zu sein wäre wohl noch leicht besser gewesen, aber man fühlt, was an verpasst hat, also fein!
reaktionär und groovie! no homo! Hab gelacht. Und nochmal arg gelacht über die review. Voll schön. Tag gerettet.
Teilen macht Spaß
. Dankeschön.
… wäre gern geblieben und hätte das flüstern hören mögen.
postskriptum: heteronormativität hätte im text vorkommen sollen, irgendwo in dem salz-abschnitt der pasta.
ha!
das war ein guter abend!
wohl wahr!
hoffentlich bis bald!