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Das Ende der Islamischen Republik

Das wars. Ich glaube nicht mehr daran, dass sich die größte Bürgerrechtsbewegung der Welt, die grüne Bewegung im Iran, noch vom Regime wird aufhalten lassen. Und ich freu mir ein Loch ins Gesicht.

Das Regime um den Religiösen Führer Khamenei, dessen Aushängeclown Ahmadinedschad längst sogar den Faschisten an der Macht selbst unangenehm wird, hat gedroht, Oppositionelle wegsperren lassen, vergewaltigt, Menschen totgeprügelt, aus Hubschraubern Säure auf Demonstranten geworfen, die Verhafteten aufs Abscheulichste erniedrigt und gefoltert und bis auf den massiven Einsatz der Armee kaum etwas unversucht gelassen, die Proteste niederzuschlagen.

Aber dieser gestrige 27. Dezember 2009 hat gezeigt, dass es nichts gebracht hat. Die Iraner haben ganz einfach keine Angst mehr. Kürzlich starb der Großayatollah Montazeri, dessen religiöser Rang über dem Khameneis stand und der für eine vergleichsweise sehr liberale Auslegung des Koran stand, weshalb er auch unter dem ersten Revolutionsführer Khomeini in Ungnade gefallen war. Die Beerdigung in der heiligen Stadt Qom am Montag, den 21. 12.  verwandelte sich in kurzer Zeit in eine Demonstration gegen die Herrschaft der Mullahs und Pasdaran, der Revolutionsgarde, aus deren Mitte Ahmadinedschad kommt und die er unter seiner Regierung mit unzähligen Ämtern versorgt hat. Die Proteste weiteten sich aus und für gestern, an Aschura, wurden im ganzen Land Demonstrationen angekündigt und auch durchgeführt.

Trotz der vielen durch die Machthaber umgebrachten und in den Foltergefängnissen verschwundenen Menschen sind sie wieder zu Hunderttausenden auf die Straße gegangen und haben der Obrigkeit einen sehr großen Fickfinger gezeigt. Menschen, die auf der Straße tanzen und jubeln, als einer einen Helm der Bassij-Miliz (ohne Mensch drin) in die Luft streckt.

Das Regime schwankt äußerst merklich. Sogar eine Hinrichtung im südlichen Sirjan wurde am 24. 12. gestürmt, wobei die Bevölkerung die schon am Strick Hängenden befreite. Diese wurden anscheinend wieder gefasst und später am Tag sollte die Hinrichtung wieder öffentlich stattfinden. Als auch bei dieser sich eine große Menschenmenge versammelte, wurden sie von der Polizei beschossen. Es gab mehrere Tote und Verletzte. Sehr aufwühlendes Video hier. Ihr prügelt auf uns ein, doch wir haben Kameras.

Achja, a propos Videos: Mir ist klar, dass einige Probleme damit haben, dass solche gewalttätigen Bilder gesendet werden. Ich hätte auch lieber, dass keine Menschen totgeschlagen werden. Aber das passiert und die Welt muss es wissen. Jeder in Deutschland lebende Mensch soll sich bewusst sein, dass Siemens der iranischen Diktatur Überwachungstechnik verkauft hat, die diese gegen die eigene Bevölkerung einsetzt. Eine Diktatur, die Menschen totschlägt. Man kann es gar nicht oft genug sagen. Und daher verlinke ich dieses Video, verbunden mit der Bitte an alle, die kein Blut sehen können, es sich nicht anzuschauen.

Und trotz solch unfassbar brutaler Gewalt scheuen sich meine Alters- und Gesinnungsgenossen nicht, auf die Straße zu gehen. Ich bin ganz ehrlich sehr beeindruckt.

Andere lesenswerte Einschätzungen der gestrigen Ereignisse:

A street journalist – Live gebloggt

The Guardian

CN4Iran wird trending topic – Chinesen zeigen ihre Solidarität mit der grünen Bewegung.

Wenn nicht doch noch irgendein psychopathischer Politiker aus dem Westen auf die Idee kommt, es sei irgendwie hilfreich, den Iran zu bombardieren, wird diese Bewegung nichts mehr stoppen. Das Regime wird entweder noch mehr Gewalt ausüben und damit direkt implodieren und noch beim letzten Anhänger seine Unterstützung verlieren. Oder es wird auf geregeltem Weg abgewickelt. Wofür aber nichts spricht.

Ich habe mit Samira, einer Freundin im Iran, bei meinem Besuch abgemacht, dass wir uns in einem freien Iran wiedersehen werden, als sie kurz nach Mitternacht ohne Kopftuch vor ihrem Haus stand (”At midnight we are free.”). Scheint ganz so, als würde sich das bald bewahrheiten.

Und als nächstes reise ich nach Saudi-Arabien.


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7 Responses to “Das Ende der Islamischen Republik”
  1. Julian Julian sagt:

    In der Tat, die Entwicklungen im Iran in den letzten Monaten sind sehr erstaunlich und erfreulich, auch wenn die Bilder der Gewalt das nicht vermuten lassen. Leider gibt es Freiheit nicht umsonst.

    Man stelle sich einmal vor, ein Land im Nahen Osten, und nicht irgendeins,sondern der IRAN, würde eine Demokratie! Das stellt alle Vorurteile über diese Weltgegend auf den Kopf. Und es gibt berechtigte Hoffnung dazu. Die Welt könnte bald ein bisschen friedlicher werden.

  2. Plenzdorf Plenzdorf sagt:

    Na dann wird es ja mal wieder Zeit, dass die Weltpolizei USA auf den Plan tritt.

  3. form form sagt:

    Bisher sieht es nicht so aus, nein. Und hier geht es um den Iran, nicht um die USA. Nicht vom Thema ablenken.

    Am Samstag, den 2. Januar findet um 17 Uhr in Mainz am Leichhof (vom Höfchen 100 m in die Altstadt) eine Mahnwache statt.
    Zur selben Zeit auch in Frankfurt am Main am Römerberg.

    Ein Video von der Demo vor dem iranischen Konsulat in Frankfurt gestern:
    http://www.youtube.com/watch?v=oAD277U3z_Y
    Die Info mit der gebrochenen Nase stimmt nicht, die Frau hat sich beim Fallen verletzt, gebrochen war wohl nichts.

  4. Plenzdorf Plenzdorf sagt:

    Ich wollte lediglich zu Bendenken geben, dass der Iran schon die amerikanische Regierung im Bett hatte. Hoffentlich bleibt die aufkeimende “Revolution” eine innerstaatliche und das Land wird nicht ein weiterer Gewinn für die Nachfolger von PNAC.

  5. form form sagt:

    Ich weiß, wer Mossadegh war. Aber dennoch gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass etwas ähnliches bevorsteht. Und diese Präventivschläge gegen die USA, die ich bei Diskussionen um den Iran jetzt schon häufig hören musste, sind nicht sonderlich konstruktiv, so aus gutmenschlicher Sicht. Bisher haben die USA nichts gemacht, wozu also ständig davon anfangen?
    Edit 10. Januar: Mir fiel dann doch auf, dass ich ja doch selbst von möglichen Bombardierungen gesprochen habe. Also korrigiere ich mich.

  6. Plenzdorf Plenzdorf sagt:

    Ich sage ja nicht, dass man obligatorisch auf die USA schimpfen soll… ich bertrachte nur solche Entwicklungen immer mit einem Auge voll Sorge. Hurra-Schreie gibt’s daher eher selten.

  7. Iraj- mis Iraj- mis sagt:

    die Iraner streben sich seit länger als 100 Jaher für Demokraktie an, erst durch konstitionelle Revolotion dann durch mosadegh (nehzat Meli) sowie Arbeiter-,Studenten-, Frauenbewegungen und nun durch Freiheitsbewegung (grüne Bewegung). was jetzt im Iran wichtig ist, ist der Intresse des Volkes ( Mehrheit Ca. 70%) für Demokratie und Menschenrechte im Lande. Eine Mehrheit die sich von Gewalt und Ünterdruckung der islamischen Republik nicht einschuchtern lässt, kann wohl entscheiden, welche Bezieungen müssen mit anderen Ländern (USA und EU) aufgebaut werden, die Bilateral und demokratisch geklärt sind.

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