Veröffentlicht von moinotoi am6. Nov 2009
jueves
JUEVES
scheiß planetenkonstellation. missverständnisse routieren auf kosmischen ellipsen. irgendwas läuft quer in den gegenwartsphänomene dieser tage. da draußen auf der straße demonstrieren menschen gegen oder für etwas – ich habe keine ahnung. die banner sind jedenfalls rot.
es ist laut. auch hier drin in dieser urbanen frühstückslokalität. na ja, krach machen ist ein anfang. ich sitze an einem verchromten tresen und fühle mich wie dieser typ in dem gemälde von edward hopper.
jemand mit lippenpiercing fegt den boden. sein kompagnon trocknet geschirr. es klappert. penetrant für einen frühen morgen. „aehm pardon, aber jemand versucht hier gerade aufzuwachen und sich zu konzentrieren, amigo“. ich gieße mir eine tasse té verde in weißes porzellan. das verschafft ruhe. hoffnung stirbt bekanntermaßen erst dann, wenn alle anderen stricke schon längst gerissen sind, was?
ich blättere in EL Paìs. mal schauen, was so außerhalb von meinem wahrnehmungsradius in der anderen welt so vor sich geht. RUMANIA: crisis économico y politíca.
großartig. war ja auch nicht anders zu erwarten. jeder hat seine eigenen krisen. entweder emotionaler oder aber ökonomischer natur. wir sitzen also im selben boot RUMANIA. no te preocupes. por lo menos somos dos. ich bin beruhigt. RUMANIA hoffentlich auch.
der typ mit piercing füllt jetzt servietten auf. er scheint den scheiß part abdecken zu müssen. arme sau. der andere klappert weiter. mein tee verschafft weiterhin den mini-frieden. wenigstens für einen moment. also schnell weiternippen. nicht aufhören, mädchen. sonst wird jemand sterben oder angeschrien. das muss doch nicht sein. also „noch einen dieser tees, por favor!“ pur ohne zucker. zucker ist der teufel, sagt sie. die frau aus berlin, mit der ich eine wohnung teile. den imaginierten karamellkeks (!) auf dem unterteller hätte ich demnach sowieso verschmäht, gut also, dass er gar nicht erst angeboten wurde. ihr könnt wohl gedanken lesen, jungs. oder seid ihr einfach nur geizig… und lieblos obendrein? ich lass die frage mal so im raum stehen, keine voreiligen schlüsse am frühen morgen. das tut doch nur weh. und pflaster hab ich gerade nicht in der tasche. obwohl, es ist 12:56. da darf man schon längst urteilen! auch vorschnell. also folgendes meine herren: nur fürs protokoll. ja, ich will diesen scheiß karamellkeks auf dem unterteller zum tee. egal ob ich ihn tatsächlich esse oder nicht. es geht um die option der entscheidung. klar soweit? ja man nenn mich ruhig verwöhnt, du arsch!
ein gemälde von jesus gleich links neben der orangenpressen, hängt in meinem unmittelbaren blickfeld. das stiftet versöhnung zwischen mir und dem klapper-heini ohne keks. komisch nur, dass jesus` wimpern ewig lang sind darauf. ich bin irritiert und gieße den letzten schluck tee in mein gefäß. voll heiß. fuck. mir fällt auf, dass der typ, der die drecksarbeit macht seine augenbaruen akkurater zupft als ich. das schüchtert mich ein. lass ich mich gehen. muss ich mir sorgen machen? ich trinke einen weiteren schluck. immernoch heiß. manche dinge ändern sich eben nicht. das wir mir hier gerade deutlich unter die nase gerieben. heißer tee bleibt heißer tee. die schieflage in RUMANIA bleibt die schieflage in RUMANIA. ständig die selben struggles, die kursieren. das system hadert fortwährend mit gleichen geschichten.
ich beginne zu frieren. es ist kühl geworden. bei 20 grad außentemperatur trage ich den parka, der mich an den berliner frühling erinnert. jetzt schützt er mich vor andalusischem schatten. ich bin zimperlich geworden. scheiß planetenkonstellation.




