Veröffentlicht von moinotoi am3. Okt 2009
peripherie der einflusssphäre
Es riecht nach Platzregen und fiebriger Schlaflosigkeit. Nur Nacht, nur sie. Die Verbindung zu allem anderen (was ist das andere?) ist vorerst gekappt; Jegliche Nutzungen öffentlicher Infrastrukturen und individueller Konsumangebote unmöglich. Bibliotheken und Bars sind geschlossen. Urbaner Leerlauf. Stillstand auf den Straßen. Es regt sich nichts, Lediglich die widerwärtig erzwungene Passivität. Das Ticken der Zeit scheint ihre Sinne zu peitschen. So sehr sie auch um Ewigkeit ringt und versucht den Ausschnitt vor Beliebigkeit zu retten, so sehr bleibt er doch ein flüchtiges Spiel mit der Zeit, ein schnödes Aufglimmen von jetzt und hier_ Sie will den Moment einmauern, ihn gefügig machen. Doch im selben Atemzug ist er bereits Fragment einer Vergangenheit, die es nicht aufzuhalten geht. Niemals. Die Zeit arbeitet gegen uns wie die intrigante Halbschwester in einer Seifenoper. Angeblich kann sie Wunden heilen… genau! Doch was bleibt ist nichts anderes als der immerwährend fade Beigeschmack von Verdrängung. Das sagte jedenfalls ihre Therapeutin neulich. Alles bewegt sich. Nichts ändert sich. Eine gedankenschwere Unbeweglichkeit lauert im benachbarten Straßenzug ihrer Sinne. Das Knistern der Unstimmigkeiten ist dabei unüberhörbar. Ihre dunklen fragenden Augen verlieren die Kontrolle, ihre Gedanken kreisen rythmisch und der Kosmos steht breitbeinig vor ihr. Wie lang dauert es bis man die Hoffnung verliert? 15 Minuten, sagen sie. Zeit ist verletzbar, das weiß sie nun. Die Luft ist schwer, ihr Atem flach, während sie sich dagegen sträubt den inneren Kreis zu schließen. Viktoria stranguliert an einer aus Identität, Erinnerung und Wieder-erkennung verliebt geflochtenen Schnur. Ihr nun nachdenklich anmutender Körper dreht sich um sich selbst. R O T A T I O N IST AUCH BEWEGUNG, Wie raunendes Murmeln strömt steinerne Luft aus dem Labyrinth. Monoton strafende Schritte lassen ihre Unruhe pulsieren. Für gewöhnlich ventiliert sie stringente Gedankengänge zurück in den kalten Asphalt der Hauptstraße. Sie will dem Rost der Gewohnheit entgegenstrotzen und sich in omnipotenter Manier in ein produktives Parallelleben flüchten. Dienstag Morgen. Schienenersatzverkehr// Sie hat vergessen zu frühstücken. Die verhaltene Stille im Vehikel lässt den Körpergeruch dutzender verschlafener Menschen in feuchten Regenjacken penetrant ihre Sinne peitschen. Dieser Tag verliert in jenen Morgenstunden jegliches Potenzial einen angenehmen Lauf zunehmen. Sie muss würgen und steigt aus. Das Laub hat aufgehört zu rascheln. Es riecht modrig und enthüllt zunehmend seine innere Fäulnis. Sie hasst diesen Geruch. Trübes Unwohlsein dringt in jede ihrer Kapillaren und annektiert ihren fiebrigen Organismus. Mit klebrigen Händen greift sie nun in ihre grüne Manteltasche_ ein Modell aus dem Vorjahr, welches ihr plötzlich zu groß scheint, wie sie in der Reflexion des Discounter- Schaufensters erkennen muss. Verloren sieht sie darin aus. „Gespräche sind nur Kompensation für die Sehnsucht nach Zuneigung“, sagt sie. Aber niemand hört. Auf der Brücke des Landwehrkanals schaut sie einer kleinen Entenfamilie nach_ schnauft_ beißt in einen mehligen Apfel und schaut auf den Zettel. Sie kann dieses Kind nicht bekommen. unmöglich. “Zusammenrottung labiler Gestalten.“ Ausbuchstabierte Brutalität und telepathische Sinnentäuschung_
//stimme aus dem off// „Ich hab diese Scheiße so satt. Die soll ihre Trauer für sich behalten und ihre Depression nach innen kotzen.“
May the circle remain unbroken!





Eine Freundin, die ich nie hatte, sagte mir mal “als Mann kannst du nur aus der männlichen Perspektive schrieben” haha, und hier wäre es wohl andersrum!
Ähhhem, naja.! Großartig, stellenweiße zumindest! Schade nur, dass peitschen zweimal kommt! Ist mir zumindest aufgefallen!
Stimme aus dem off, wohl notwendig, trotzdem wäre das Ende mit der Zeile davor schöner! Dennoch ein paar tolle Sachen drin!
heißt andersrum, frauen (be) schreiben frauen? wenn ja, ich BIN tatsächlich weiblich. wenn nein, weiß ich gerade auch nicht weiter.
peitschen kommt in der tat 2mal vor. nicht gut. danke.