Veröffentlicht von SAGE am27. Okt 2009
Generation Lebensglück
„Ja, Marc hatte Recht“, denke ich mir, „sie ist wirklich beschränkt.“ Ich wache auf und werde unter beißendem Mundgeruch gezwungen ein Gespräch über Soaps, schlechte Musik und Fast Food zu führen. Bei jedem zweiten Satz muss ich kotzen. Nicht nur weil hier unfassbar müllige Gedanken zusammengesponnen und dann ausgesprochen werden, sondern auch, weil sich der ganze Alkohol von gestern zurückmeldet. Ich bleibe trotzdem freundlich. Sie kann ja nix dafür, dass ich eigentlich ein heuchlerischer Schwächling bin. „Was willst du denn mit der?“, meinte Marc gestern Abend noch. „Ficken“, war meine Antwort, „einfach nur ficken!“ Marc führt eine langjährige Beziehung. Er muss sich nicht betrinken und in Diskos nach Bumsmaterial suchen. Marcs „Mädchen-finden-Uhr“ läuft nicht ab. Er braucht seine Wochenenden nicht mehr zu planen. Im Gegenteil: Er hat sie vor Jahren schon so gut geplant, dass er mittlerweile ein vergebener Mann ist. Ein glücklicher Mann. Meine Suche nach der Frau fürs Leben beschränkt sich übrigens darauf, die willigste Schlampe des Abends erst ausfindig und dann betrunken zu machen. Wenn mich meine Eltern nach einer zukünftigen Schwiegertochter fragen, posaune ich meistens Floskeln wie „Ich will erstmal meinen Spaß haben, macht euch keine Sorgen“ heraus. Dass ich mir selbst genug Sorgen mache, verschweige ich in der Regel. Ich glaube, dass sie Kim heißt. Die Musik war zu laut. Und die Heimfahrt haben wir mit acht ihrer Freunde verbracht. „Was für Pfosten“, habe ich mir noch gedacht, bevor ich zu der Wodka-O-Saft-Mischung griff. Jetzt liegt sie neben mir und schwafelt und schwafelt und schwafelt und schwafelt. Der Sex war, nebenbei gesagt, ziemlich schlecht. Ich habe im Bett gefurzt. Egal, sie ist sowieso unbeschreiblich minderbemittelt. Sie ist definitiv kein Heiratsmaterial. Wusste ich das schon vorher? Egal, ich habe mit einer Fremden gefickt. Ich muss mich die nächsten zwei Wochen nicht einsam fühlen, denn ich habe mir mal wieder selbst bewiesen, dass ich der Größte bin. Ich habe von der Tanke schnell ein paar Brötchen geholt. Wir frühstücken um 14.27 Uhr. Trotz der langen Partynacht sieht sie sehr hübsch und keineswegs verbraucht aus. 15.32 Uhr fahre ich sie nach Hause. Mein mp3-Player läuft. Sie findet Thees Uhlmann peinlich. Ich weiß, dass wir uns nie wieder sehen werden, versuche sie aber trotzdem von Uhlmanns Vorzügen zu überzeugen. Wir sind da. Sie gibt mir noch einen Kuss auf den Mund und verlässt mit den Worten „Ich schreibe dir über MySpace“ das Auto. Mir ist es Schnuppe, ob sie mir über MySpace schreiben wird. Ich fühle mich großartig und plane schon das nächste Wochenende.





Großartiger Text.
Super geschríeben. Wie geht es weiter?
sage ich will mehr!
Im aktuellen Bizeps ist eine neue von mir drin
—> “Verstellungsgespräch”
Aber ich werde auch auf Ficko bald wieder eine Kurzgeschichte über Männlein und Weiblein veröffentlichen.