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Mein Zuhause-Panoptikum

Mein Zuhause-PanoptikumHU Berlin

Foucault hätte sich gar nicht so verbissen auf Gefängnistheoretiker des 18. Jahrhunderts stützen müssen, der gemeine Häuserblock aus Altbauten und Sechziger-Jahre-Zweckbeton erlaubt viele Panoramen, nach denen man gar nicht gefragt hat.

Gut, in der Mitte sitzt keineswegs die unsichtbare, aber allsehende Überwachungsinstanz und ganz grün (gerade auch ganz grau) ist es hier auch.

Der in der Mitte bin ich und ich bin nun wirklich nicht um diese Position zu beneiden.

Schleppt man sich hier in den fünften Stock, so genießt man vollverglaste Südseite mit Balkönchen, befensterte Nordseite in Arbeitszimmer und Klo. Arbeitszimmer Jacke wie Hose, was super lichtpermeabel und auch insbesondere im Sommer schön warm ist, bietet vermutlich Trumanshow ohne Tür im offenen Meer.

Was mich auch wieder auf die große Frage zurückwirft, was ich den ganzen Tag so Zeigefreudiges unternehme, wenn ich zuhause bin.

Lange Denkzeit, Schweigen im Walde.

Anders (womöglich überspitzt) formuliert, zwischen Dusche, Küche, Computer, Couch und Klo kennen ich und meine geplagte Verdauung sich mittlerweile hervorragend aus.

Tageshighlights sicherlich nicht nur für mich sind zunächst Dusche als auch versuchter Stuhlgang (fail) am Nordfenster Klo. Obligatorischerweise anschließend im bleichen Adamskostüm auf die Suche nach einem Herrenslip (Feinripp). Platz nehmen am Südfenster (Schreibtisch).

Porno gucken. Grimassen und eine Hand unterm Tisch sowie im Sommer höchst artifizielles Stöhnen aus den gekippten Fenstern, liebe Verbindungshausbewohner im 4. Stock gegenüber?

Danke, gern.

Aber auch die vermeintliche Revanche lässt nicht ewig auf sich warten. Vermutlich selbiger 4.Stock-Bewohner wird knallhart bei wildem Bumsen an offenem Fenster von mir und einem Besucher in souveräner Balkonposition beobachtet und verächtlich bedacht.

Als unser Feixen offenkundig zu laut wird, beweist der gewitzte Bewohner allerdings endgültig, warum ich mich wahrscheinlich in dermaßen schwachsinniger Paranoia wie oben auch noch ganz wohl fühle und warum mein Zuhause tatsächlich eher freiwillige Gefängniszelle denn Beobachterturm im Panoptikum ist:

Er lässt die Jalousie runter.

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