FICKO - Magazin für gute Sachen. Und gegen schlechte.
VVK & Infos Silvester im Bootshaus, Mainz

Galerietest =)

Das Unmögliche is coming

Auch wenn es niemand mehr geglaubt hat. Das unmögliche ist möglich geworden. Wir haben nach anstregender Suche endlich eine Programmiererin gefunden, die nach drei Jahren den Beta-Status in Grund und Boden hackt. Jaja, das ist ja auch alles ein Prozess. Mal da ankommen, wo wir hinwollen ist aber auch ganz geil. Dann wird das nämlich so, wie wir das geplant hatten, ein paar Features kommen hinzu und solche Dinge.

Außerdem stehen diesen Sommer bei uns noch weitere Projekte an. Das Ziel aus der Neutorschule ein Mainzer Kulturzentrum zu machen, nimmt langsam Form und Farbe an. In fast regelmäßigen Abständen treffen wir uns, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. Bisher gibt es leider nur bei der “New School Mainz“-Facebookgruppe öffentlich nachlesbare Infos zu den Treffen und Raum für Diskussionen. Ein Blog außerhalb von Facebook wird folgen. Ihr seid recht herzlich eingeladen, zu den Treffen zu kommen. Für die Termine und auch sonst prinzipiell gibt es eine Mailingliste, tragt euch ein. Wichtige Fragen an: info.neutorschule@googlemail.com.

A propos Facebook: So adjektiv es ist, da zu sein, es spart einfach Zeit, die wir momentan nicht oft genug haben. Ein kleines HipHop-Festival muss ja auch organisiert werden. Wir posten täglich mehrere Dinge, die auffallen und zur Gutmenschlichkeit etc. einen Beitrag leisten oder sich mit Scheiße, die passiert, auseinandersetzen. Wenn ihr könnt, schaut mal rein, nach dem Quasi-Relaunch geht auch hier mal endlich wieder was. FICKO bei Facebook.

Nicht, dass das alles wäre, es kommen auch bald Gutmenschlichkeits-Orden. Es wird schön.

Audiotest

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Rio+20 part 2

Die Rio+20 Konferenzen sind zu Ende, die Resultate sind eher enttäuschend. Die Ergebnisse standen schon vor den Konferenzen fest.  Dies brachte natürlich auch einen anderen Wind nach Rio, sodass meine Woche ziemlich aufregend war.

Demonstration – Cinelândia

Eine Demonstration mit 20.000 Aktivisten ereignete sich zu Beginn der Woche. „Mitten drin statt nur dabei!“, war meine Devise und ich begab mich in das Geschehen. Mit roter Kriegsbemalung und Trillerpfeife bewaffnet zog ich mit den anderen Aktivsten durch die Rua Avenida Rio Branco. Die Stimmung war sensationell. Ein Highlight, die 15 auf 15 Meter große brasilianische Flagge, unter die viele Demonstranten, darunter auch ich, standen und die Fahne mit den Händen hochhielten.

Zentrale Themen waren unter anderem: Grüne Wirtschaft, eine bessere Bildungspolitik und die Verteidigung der öffentlichen Güter. Mitten im Getümmel, stand ich plötzlich hinter dem Wagen der UFF (Universidade Federal Fluminese) http://www.uff.br/. Zufällig bot sich mir die Möglichkeit auf den Wagen zu klettern, sodass ich den Rest der Demonstration von oben aus mitgemacht habe. Die Schlachtrufe der Studenten plädierten für eine bessere Bildungspolitik: „ Wer, wer sind wir? Die Studenten! Was

Initiiert wurde die Demonstration von Peoples‘ Summit. Am Platz Cinelândia angekommen, wurde kräftig weiter getrommelt und eine riesen große Straßenparty war im Gange. Hunderte von Menschen haben sich an den Händen gefasst und eine Menschenkette gebildet. Die Stimmung war trotz des Nieselregens einfach großartig.

Equator price 2012

Im Aterro do Flamengo fand die Equator Preisverleihung statt. Der Equator Preis ehrt herausragende lokale Initiativen, die eine nachhaltige Entwicklung für Menschen, Natur und widerstandsfähige Gemeinschaften fördern. Insgesamt konnten 25 Initiativen den Preis entgegen nehmen. Darunter waren unter anderem, Anja Miray aus Madagaskar, Centro Alexander von Humboldt aus Nicaragua oder Shashwat aus Indien.

Eine Gruppe von Argentiniern, welche ich auf der Demonstration kennengelernt habe, fragten mich ob ich mit auf ein Konzert von Guilberto Gil möchte, sie hätten zwar nur eine Karte, aber wollten versuchen einen anderen Weg zu finden um dort reinzukommen. „Los geht’s“. Mit roter Kriegsbemalung sind wir zum Hintereingang und haben uns als Presse ausgegeben.

Eine doppelte Portion Charme war unsere Eintrittkarte, die uns direkt in die VIP-Lounge brachte. Ein paar Getränke und Flying – Fingerfood konnten wir uns auch noch abgreifen.  Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Segen von zwei Mitgliedern einer indigenen Volksgruppe aus dem Amazonas. Der Hollywood Star Edward Norton überreichte den Preisträgern ihre Trophäe und zu guter Letzt hat Guilberto Gil, ein bekannter brasilianischer Sänger die Veranstaltung beendet. Er ist nicht nur ein bekannter Sänger, sondern hat auch den Posten des Kulturministers während der Regierungszeit des Präsidenten Lula eingenommen.

Mein Tag endete mit einem Kopf schüttelten Grinsen im Gesicht …willkommen in Brasilien!

Forte de Copacabana – Humanidade 2012

Am Forte de Copacabana wurde ein mehrstöckiger Komplex aus recycelbarem Material errichtet. Zugänglich für alle, wurden hier mögliche Entwicklungsmodelle präsentiert, um bessere Lebensbedingungen in Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. In neun verschiedenen Räumen wurde versucht, eine Sensibilisierung für innovative und vor allem umweltfreundliche Konstruktionen, herzustellen.

Das klingt alles sehr interessant und aufregend, wenn man allerdings drei Stunden in einer Warteschlange verbringt und dann mit unendlich vielen Menschen sich in die verschiedenen Räume quetscht, vergeht die Motivation. Im Vergleich zum Wochenende waren drei Stunden noch angenehm. Insgesamt haben sich über 140.000 Besucher pro Tag diesen innovativen Schauplatz angeschaut.

Eröffnung der Galerie Fixos Fluxos – Rio+ Vinci

Die Kunstgalerie Fixos Fluxos, „starre Bewegung“, hat unter dem Namen Rio+ Vinci ihre Türen, während der Rio+20 Woche, geöffnet. Die Galerie liegt im Zentrum von Rio de Janeiro, in Lapa und ist auf zwei Stockwerken verteilt. Im Erdgeschoss ist die Galerie und im ersten Stock das Studio, in dem die Künstler an ihrem Kunstwerken arbeiten. Wer sich für Kunst interessiert und irgendwann mal in Rio de Janeiro ist, sollte mal vorbei schauen. Die kreativen Köpfe sind sehr engagiert in der Kunstszene von Rio.

Insgesamt waren die zwei Wochen Rio+20 für mich persönlich sehr aufregend und vor allem interessant. Ich habe meinen Fokus auf den kulturellen Aspekt gesetzt und bin einige Eindrücke und Erfahrungen jetzt reicher. Das Kulturprogramm hat sich wirklich gelohnt, im Gegensatz zu den Konferenzen.

Da geht was in Mainz

In Mainz brennt die Hütte. Und es geht was. Weil FICKO gerade renoviert wird und ich diesen Text in Open Office schreibe und obendrein seit Tagen im Verzug bin, gibt es nicht für alle Baustellen und Hüttenbrände eigene Artikel, sondern eben einen großen Aufwasch für alles. Irgendwann im Winter erzählte mir Sebastian vom Atelier Zukunft von einem leerstehenden Gebäude hinter dem äußerst mies bezahlenden Cinestar, der Neutorschule. Die sei möglicherweise sehr gut geeignet, um mal auch in Mainz, immerhin eine Landeshauptstadt und zweitjüngste Stadt Deutschlands etwas aufzubauen, was nicht nur reichen Leuten zugute kommt und mal einen wirklich gewichtigen Grund liefert, hier nicht nach der Beendigung des Studiums weg zu wollen. Ein künstlerisches, soziokulturelles, politisches Zentrum, einen Knotenpunkt. Räume für Leute, denen sonst die Luft zum Atmen fehlt, ein Ort, den wir Kunst-, Kultur-, Politik- und Lebenswertschaffenden und sonstwie Aktiven selbst organisieren.

Denn ganz ehrlich: Mainz ist nicht „cool“. Hier zieht man in der Regel nach dem Studium weg, weil einfach nichts geht. Weil die bräsige bis rassistische (Was zur Hölle!? Lasst uns das mal irgendwie demnächst angehen) Mainzer Stadtkultur kaum Platz zum Leben lässt. So, Leute: Ruhe bitte! Dafür, dass jede fünfte Einwohnerin StudentIn ist und mit 40.000 davon doch eine ganze Menge in Mainz leben, ist erschreckend wenig los. Es gibt kaum Konzerte, fast keinen Raum für zeitgenössische Kunst (Artikel zur Podiumsdiskussion von „Situation Mainz“ im Januar, Bericht im Sensor-Magazin), fast keine Räume für nichtkommerzielle Dinge, so gut wie keine öffentlichen, wirklich guten Partys und gefühlt alle fünf Tage wird schon wieder entweder von der Stadt irgendein Platz als Baugrund für Luxuswohnungen (Zollhafen, Winterhafen) oder völlig unnötige Rieseneinkaufsmalls (die Ludwigstraße soll von ECE verschandelt werden) verkauft oder einer der letzten schönen Orte zerstört, wo man nicht erst ordentlich Geld zahlen muss, um in Ruhe gelassen zu werden.

Das Atelier Zukunft musste im Mai schließen, das Haus Mainusch auf dem Campus, ohne das sehr viele Veranstaltungen wie z.B. jüngst das Ladyfest Mainz oder mein HipHop-Festival „Nix back in the days“ und unzählige weitere Sachen, Konzerte und Vorträge nicht möglich wären, hat seinen Mietvertrag von der Uni gekündigt bekommen. Gleichzeitig stehen in Mainz wirklich bemerkenswert viele Gebäude leer, allein um den Bahnhof herum sind es unzählige Häuser, das alte Hotel Eden beispielsweise, auch die Bonifatius-Türme stehen mindestens zur Hälfte ungenutzt in der Gegend rum. Vor zwei Jahren hat das Peng, das natürlich auch schon wieder bedroht ist an seiner jetzigen Adresse, mit der Operation Pusteblume dazu aufgerufen, Leerstände zu markieren. Unter dem Link zur Karte lässt sich sehen, was dazu bisher gefunden wurde, es ist bemerkenswert viel und das ist bei weitem nicht alles. Gleichzeitig sind die Mainzer Mieten preislich deutschlandweit in den Top10, da kann man schon mal ins Kotzen kommen.

Nun denn, all diese Probleme zeigen deutlich, dass sich schleunigst etwas ändern muss. Und wir haben das z.B. mit der Neutorschule versucht. Ich habe Anfang April nach einem Termin beim Kulturdezernat angefragt, um ganz prinzipiell mal vorstellig zu werden und abzuklopfen, inwieweit die Stadt sich des Problems bewusst ist und ob es möglich wäre, die Neutorschule zu bekommen als Lösung. Das Peng hatte bei der vorletzten Raumsuche 2010 (oder war es bei der letzten 2011?) auch schon versucht, dort hinein zu kommen, das scheiterte damals jedoch. Ich wollte es trotzdem nochmals probieren und noch mehr Leute und Initiativen zusammenbekommen, denn das hat auch bei den bisherigen FICKO-Aktionen immer ganz gut funktioniert. Also gab es vor dem ersten Kontakt mit der Stadt ein Treffen im Peng, das seinen Raum dafür freundlicherweise zur Verfügung stellte, zu dem alle Menschen und Gruppen, die Räume brauchen, aufgerufen wurden. Das war dann auch recht voll, es waren ca. 60/70 Leute anwesend und wir fingen an, Ideen zu sammeln, uns kennenzulernen und vorzustellen.

Nach dem Kontakt mit dem Kulturdezernat sollte der zweite Termin liegen. Dort ging ich dann mit Fitza vom Peng hin, der mich im Gegenzug zum Termin mit dem halbwegs neuen Mainzer Oberbürgermeister Ebling mitnahm. Dieser hatte dem Peng wenige Tage vor der Wahl noch die jetzige Örtlichkeit vermittelt, das Peng ist dort jedoch auch nicht so sehr willkommen, was garstige Briefe von Rechtsanwälten und Zettel von Anwohnern, die sich über allerlei Dinge beschweren, zeigen. Der Termin beim Kulturdezernat, bei dem uns Herr Hofmann empfing, war ganz ok. Er schien ernsthaft interessiert, auch wenn er auf Grund mangelnder Zuständigkeit zur Neutorschule gar nichts sagen konnte. Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, wem diese überhaupt gehört. Er versprach jedoch alle Unterstützung. Die Initiative “Kunst gegen Leerstand”, die 2011 versuchte, ebensolch einen Leerstand zu beheben, indem Eigentümer angeschrieben wurden, brachte aber z.B. leider überhaupt keinen Erfolg, es gab wohl nicht eine Antwort der Angeschriebenen.

Wir trafen uns dann weiter mindestens ein Mal pro Woche mit der nun so genannten “Initiative Neutorschule”. Beim zweiten Treffen war Frau Coester von der Bürgerinitiative zum Erhalt der Neutorschule da, die sich jahrelang gegen den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes engagiert hat. Sie konnte zur Geschichte des Gebäudes, in dem sie selbst zur Schule gegangen war und seiner Nutzung seit 1989, als es nicht mehr als Schule genutzt wurde, viel erzählen. Denn es waren schon vor 20 Jahren einmal allerlei Künstler und Vereine in den Räumlichkeiten und nutzten sie. Wir verfassten dann kurz vor dem Termin mit dem OB Anfang Juli auch eine Erklärung der Initiative, die unser Vorhaben vorstellte. Das Gespräch mit dem SPD-Mann Ebling verlief dann ziemlich ernüchternd. Er machte innerhalb von ca. 90 Sekunden klar, dass der Stadt keinerlei Interesse daran hat, dass irgendjemand in die Neutorschule geht außer den Baubüros des 41 Millionen Euro teuren Archäologischen Zentrums, die laut Eblings Aussage komplett die 4000 Quadratmeter der Neutorschule besetzen. Woran ich und so ziemlich alle anderen Leute, mit denen ich gesprochen habe, erhebliche Zweifel haben; in dem Moment war aber klar, dass der OB darauf spekuliert, dass wir uns von solcher Taktiererei beeindrucken lassen.

Ich versuchte dann noch einmal, Herrn Ebling klar zu machen, was es für eine Landeshauptstadt bedeutet, wenn sie auf Grund der oben genannten miserablen Situation alle Leute verjagt, die mit all ihren Aktivitäten ja durchaus auch zur Attraktivität einer Stadt beitragen und die Subkultur und die Atmosphäre erst schaffen, die eine Stadt zumindest für Leute unter 40 lebenswert machen. Abgesehen von ein paar scherzhaften Sprüchen blockte er aber alles ab und zeigte kein ernsthaftes Interesse an dem Problem. Er verwies auf die Geldnöte von Mainz, wollte der Initiative Neutorschule dann noch zwischen den Zeilen den missglückten Besetzungsversuch des Büro Wahlich unterschieben und meinte, dass sie ja gern etwas machen würden, wenn sie denn nur die Möglichkeit dazu hätten. Das war es dann auch mit dem Gespräch. Ich war hinterher entsprechend ernüchtert, aber immerhin erleichtert, dass jetzt offenbar die Fronten geklärt sind. Die Stadtregierung zeigt kein Interesse an unserem Problem bzw. bemüht sich sogar, uns Steine in den Weg zu legen. Warum, das ist immer noch nicht so ganz klar. Nach dem Treffen wurde dann die Planung für die Nachttanzdemo, die ich vorgeschlagen hatte, angegangen.

Diskursiv, die die erste Mainzer Nachttanzdemo vor zwei Jahren organisiert hatten, das Kritische Kollektiv, die Initiative Neutorschule, einige Ultras vom FSV Mainz 05, das Haus Mainusch, Attac und noch weitere Einzelpersonen trafen sich, organisierten Wägen, mussten sich mit dem Ordnungsamt herumschlagen, das Auflagen über Auflagen erteilte, mit insgesamt gleich sechs Personen die Stadtverwaltung vertrat und zwischenzeitlich gar verlangte, dass wir für Bauzäune zahlen, mit denen Baustellen in der Stadt geschützt werden sollten. Die Anlage des Wagens musste auf 70 Dezibel verplombt werden, das sollte dann auch noch 280 Euro kosten usw. usf. Also wieder ein deutliches Zeichen der Stadtverwaltung. Als ich am Tag der Demo morgens noch ein Interview fürs Radio gab, fanden wir lustigerweise erst nach ca. 20 Minuten einen ruhigen Ort, in dem nicht vom Bauhof Mainz gebaut, gehämmert, Laub geblasen oder Hecken geschnitten wurden… Die Demo selbst war ein voller Erfolg, wer der Polizei glauben möchte, sagt 600 Teilnehmer. Also kann man durchaus von 800-1000 ausgehen. Hier kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie das aussah, die Reden habe ich leider nicht alle filmen können, weil ich ja auch selbst zu tun hatte.
In der Mainzer Allgemeinen Zeitung gibt es auch noch einen Videobericht. Der Zeitungsartikel ist ehrlich gesagt eine Frechheit und basiert offenbar ohne jegliche eigene Recherche ausschließlich auf dem Polizeibericht und schreibt bürgerkriegsähnliche Zustände herbei, die in ihrer Lächerlichkeit sicher noch zu überbieten sind, was aber garantiert nicht der Glaubwürdigkeit des Mediums zugute kommt. Zur Ehrenrettung könnte man noch auf den regulären Artikel hinweisen, der zur Demo geschrieben wurde. Aber der ist leider nur Abonennten online zugänglich, die Verlage und ihre Strategien…

Weil das aber Standard ist und permanent passiert, hier vielleicht noch etwas Grundsätzliches zu Polizeieinsätzen und der Berichterstattung darüber: Ich habe direkt nachdem die Polizei mit ziemlich unnötiger Brutalität erst einen, der angeblich wirklich etwas gemacht hatte (Flaschenwurf oder Feuerwerk o.ä.) und dann noch mindestens drei weitere Personen schlug, schubste, an die Bushaltestelle drückte, aus nächster Nähe direkt Pfefferspray in die Augen sprühte und derlei Dinge, mit Zeugen Gedächtnisprotokolle aufgenommen. Es gab um 22:15 Uhr kurz am Ende des Zuges Aufruhr und die Polizei fing sofort an, zuzuschlagen und wahllos auch Umstehende mit Reizgas anzugreifen. Dass dann hinterher Überschriften wie “Mainzer Ultras randalieren” entstehen, ist ein Armutszeugnis für die Presse. Erstens waren die Ultras friedlich, ein Bengalo von den vier, fünf Leuten, die Feuerwerk dabei hatten, ist ja wohl wirklich nur bei ernsthaft Hirngeschädigten Gewalt, zweitens hat die Polizei viel mehr Leute verletzt. Und am Ende kommen wieder so dumme, völlig verzerrte Debatten heraus, die Leute führen, die offensichtlich keinen Einblick haben, aber härteres Vorgehen der Polizei fordern.

Gerade den Ultras wird da immer wieder äußerst übel mitgespielt, hier ein Beispiel. Ich kenne die Ultraszene anderer Vereine nicht, weiß aber aus eigener Erfahrung gerade jetzt in der Initiative Neutorschule, dass die Mainzer Ultras sehr korrekte Menschen sind, die sich auch außerordentlich für die Gesellschaft engagieren. Sie tun etwas gegen Homophobie im Fußball ( z.B. diese Aktion. Meenzelmänner sind keine Ultras, aber bemerkenswert für die Atmosphäre in der Fanszene ist es doch), sammeln Spenden fürs Frauenhaus oder einen Kindergarten, kicken wöchentlich mit Asylbewerbern etc. pp. Auf jeden Fall war von diesen Ärgernissen abgesehen die Demo voll, voll gut, höchst spaßhaft und die Vernetzung geht voran. Da wird noch einiges mehr passieren.

Und es passierte auch schon :) . Seit Freitag, den 3.8.2012 gibt es zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder ein besetztes Haus in Mainz, in der Oberen Austraße 7 im Industriegebiet am Nordhafen. Eine sehr gute Nachricht und auch endlich das nötige Aufbruchsignal. Denn neuerdings verjagt das Ordnungsamt auch noch vom Mombacher Strand im Norden von Mainz die Leute. Wäre ja noch schöner, wenn man mal einfach so irgendwo entspannen könnte. Das ist jetzt aber so ungefähr der Tropfen, der den heißen Stein zum Überlaufen bringt (Hahlär at Dende). Und das Haus ist ein Auffangbecken bzw., wie das Transparent an der Außenfassade sagt, ein Gegenvorschlag zu all dem Abtöten von Kultur und Leben. Ich habe vor einigen Tagen auch einen kleinen Podcast mit ein paar BewohnerInnen gemacht, aber es gab wegen des Umbaus auf der Seite hier Probleme mit dem Upload, das muss ich dann nachreichen, wenn ich wieder in Mainz bin. Ihr könnt euch hier aber ein Bild machen, selbst einen Besuch abstatten ist natürlich viel besser.

Und das ist der jetzige Stand der Dinge. Weil der Artikel jetzt so langsam lang genug ist, verweise ich noch auf die Website des Hauses, das auch – momentan zumindest – täglich einen Newsletter verschickt. Der Kontakt mit der Stadt ist aufgenommen, auch wenn diese mit allen möglichen (schmutzigen) Tricks versucht, das Haus schleunigst wieder zu schließen. Nachdem es jahrelang leerstand und jeder ungesichert reinkonnte, wurde nun plötzlich behauptet, es sei einsturzgefährdet usw.. Vielleicht müssen wir in Mainz einfach mal deutlich zeigen, was wir von solch einer Stadtpolitik halten. Kommt alle vorbei und schaut es euch an. Denn es ist auch unsere Stadt.

Rio+20 Part 1

Am 11. Juni hat das Kulturprogramm von Rio+20 begonnen. Die ganze Stadt war noch belebter, es gab unzählige verschiedene kulturelle, ökologische, politische,  kreative Aktivitäten, Menschen aus aller Welt kamen zusammen und nutzten das immense Angebot.

Cinelândia

Auf dem Cinelândia – Platz ist es eigentlich erlaubt zu zelten, bei der weltweitenOccupy – Bewegung 2011 beispielsweise, haben knapp 120 Leute ihr Hauptlager dort aufgeschlagen und den Platz für 3 Wochen besetzt. Gegenwärtig präsentiert die Stadt Rio de Janeiro dort eine Fotoausstellung. Was man damit wohl verhindern wollte…

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der letzten 20 Jahre.

Filmpremiere – Videos das Aldeias

Die Filmpremiere von „Videos das Aldeias“, ein Filmprojekt, welches das Leben verschiedener Indianerstämme dokumentiert, fand am Dienstag im Sesc Theater statt. Gefilmt und produziert wurde das Ganze von Mitgliedern der indigenen Volksgruppen. Dadurch bekam der Zuschauer einen ganz besonderen Einblick ihr Leben. Die verschiedenen Filme kann man sich auf der Homepage anschauen. Die Stämme sprechen alle in ihrer ursprünglichen Sprache, sodass die Filme portugiesischen Untertitel haben.

Der Film begann mehr oder weniger mit folgender Aussage:

„Die Weißen sind gekommen und haben die Bäume gefällt und die Flüsse schmutzig gemacht. Die Weißen sind Arschlöcher, sie sollen abhauen, wir brauchen sie hier nicht.“

Wichtig zu wissen ist, dass dieser Indianerstamm Kisêdjê im Amazonasgebiet am Rio de Xingu angesiedelt ist. Hier soll der drittgrößte Staudammder Welt,Belo Monte, gebaut werden. Durch ihn wird der Lebensraum vieler indigener Volksstämme und Lebewesen stark bedroht.

Unterstützt wird dieses Projekt unteranderem vonimaginaRio, eine Organisation, die kulturelle Aktivitäten und Events organisiert. Einer der Verantwortlichen und Hauptansprechpartner ist Lucas Weglinski, ein bekannter Schauspieler aus Rio de Janeiro. In den nächsten Wochen werde ich ein Interview mit ihm haben und ihm einige Fragen zu dem Projekt und zu Rio+20 stellen.

 

Vorführung von Thini-à im Museo Historical Nacional

Thini-á ist vor einer Schulklasse aufgetreten und hat über seine Kultur und Sprache gesprochen und mit Ihnen abschließend ein spirituelles Lied einstudiert sowie getanzt. Das Interesse der Kinder und Jugendlichen war groß, es wurden sehr viele Fragen gestellt, unteranderem über das Jagen.

Pavuna – Filmvorführung

Auf der Veranstaltung von Thini-á habe ich einen interessanten Kontakt zu einem Fotografen und Künstler Ale Gabeira gemacht. Er wird in der nächsten Woche sein Kunststudio in Lapa eröffnen. 32 Künstler werden hier ihre Arbeiten präsentieren. Er hat mich am selben Abend  mit zu einer Filmpräsentation in Pavuna, ein Stadtteil von Rio, genommen. Es ist die Endhaltestelle der Metrostation in Richtung Norden. Die Atmosphäre ist typisch brasilianisch, viele kleine Marktstände (die Hälfte der Ware ist wahrscheinlich vom Lkw gefallen),Unmengen von Obstständen, laute Musik, Armut, Müll und vor allem keine Touris.

Die Filmvorführung hat an einem Platz direkt an der Metrostation stattgefunden. An zwei Holzstämmen war ein weißes Bettlacken gespannt, auf dem der Film projiziert wurde. Ganz simple: Beamer, Laptop, Anlage und ein paar Pappkartons zum Sitzen, und fertig war der Schauplatz.

Die Brasilianer lieben Popcorn, zumindest gehe ich mal davon aus, denn es gibt an jeder Ecke einen Popcornwagen. Popcorn zu jeder Zeit an jedem Ort. So ein Popcornwagen hat sich super in das Ambiente eingegliedert. Ein Obdachloser hat an einem Baum gelegen, mit einer Tüte Popcorn im Arm und sich die Dokumentation über die Tapajó, auch ein indigener Volksstamm aus dem Amazonasgebiet, angeschaut. Die Dokumentation hat sich hauptsächlich mit Ökologie und ökologischem Anbau beschäftigt.

Inszeniert wurde das von der Künstlergemeinschaft:Fora do Eixo. Künstler, Musiker, Produzenten, Schauspieler aus ganz Brasilien arbeiten an unterschiedlichen Projekten, welche gesellschaftliche Probleme thematisieren. Das Projekt, das an diesem Abend gezeigt worden ist, läuft unter dem Namen Cinoia.

Aterro do Flamengo

Der“Parque do Flamengo”hat sich für Rio+20 in ein Zelt- und Pavillonlager verwandelt, welches unabhängig von staatlichen Geldern finanziert und organisiert worden ist. Die Heinrich Böll-Stifung, Friedrich Ebert Stiftung und der EED sind die deutschen Sponsoren für dieses Projekt. Hier finden unterschiedliche Vorträge, Veranstaltungen und Workshops über Naturschutz, Klimawandel und erneuerbare Energie und andere Thematiken statt. Ein großer Pavillon-Komplex präsentiert die indigene Kultur Brasiliens. Hier finden sich Indianer aus allen Regionen Brasiliens zusammen und debattieren über ihre Position im Land, die politische Minderheit und geringe Einflussnahme, Naturschutz, Belo Monte und natürlich ihre Kultur. Verschiedene Tanz- oder Musikvorführungen sind zu sehen und unzählig viele Dinge zu kaufen. Es herrscht eine sehr loyale und solidarische Atmosphäre.

Etwas ganz Innovatives hat sich die Caixa, ein Bankunternehmen Brasiliens, ausgedacht. Sie haben eine Ladestation für Handys kreiert, in dem man mit einem elektrisch betriebenen Fahrrad das Handy quasi „aufstrampeln“ konnte. So was sollte ab sofort an jeden Dynamo mit installiert werden.

Ein zentrales Thema ist die Energiefrage. Sei es in Bezug auf Solarzellen, wie es Greenpeace vorstellt, die Idee mit der interaktiven Ladestation oder in psychischer Form.Sukyo Mahikari, eine japanische Lichtquellen Technik ,die mit einem Gebet angeblich Energie aus dem Universum überträgt.

Ein Mädchen, Anfang 20 spricht mich an, man könnte sagen, sie hat ein gutes Brainwashing hinter sich, und erzählt mir von dieser Lichtquellen Technik. Mein Gedanke, „Klar, das probierst du aus“. Im Endeffekt musste ich auch nicht sehr viel machen, als sieben Minuten in Gebetshaltung sitzend und an etwas Schönes denken. Dann ging es los mit dem japanischen Gebet. Man kann sich das folgendermaßen Vorstellen: In einem Pavillonzelt waren drei Stuhlreihen á fünf Plätze nebeneinander aufgestellt. Ungefähr zehn von diesen Energie – Menschen, die jeweils eine Person vor sich sitzen haben, sagen dieses japinische Gebet auf und versenden Energie. Diesen Personen, die diese Energie übertragen können, erhalten nach einem dreitägigen Seminar eine Medialle, welche ihnen die Berechtigung erteilt, die Energie zu übertragen. Ich fand es sehr unterhaltsam, meine Neugier wurde mal wieder gesättigt und mein Körper und Geist hatten sieben Minuten Pause.

So sah ich hinterher aus:

Ob das alles so funktioniert, möchte ich nach dieser Erfahrung noch nicht beurteilen, denn es war eindeutig keine Atmosphäre, um wirklich zu entspannen. Mir ging es genauso gut wie zu vor. Die Tatsache, dass man sich diese Medialle erkaufen kann, lässt die Sache fragwürdig erscheinen.

Glória – Praça São Sebastião

An diesem Platz wurde eine weitere Filmprojektion vorgeführt. Ganz unter dem Motto:” Projektionen an unkonventionellen Orten“ haben Künstler Kurzfilme und Bilder auf eine Wand und Jesusstatue projiziert. Auf der Jesusstatue sind Flammen erschienen, die die Figur in eine visuelle Dynamik versetzte. Die Statik verwandelte sich in Dynamik.

Auf der anderen Seite des Platzes stand eine weiße Mauer, die die Form eines Hauses mit Schornstein hatte (siehe Foto), auch hier wurden coole Sachen projiziert.

Favela – Providencia

Providencia ist die älteste Favela in Rio, sie wurde Ende des 1900 Jahrhunderts erbaut und zählt mittlerweile 13000 Einwohner. Sie ist  im Zentrum von Rio de Janeiro und ist mit der Metro sehr gut zu erreichen. Am obersten Punkt der Favela hat man einen Ausblick auf die Bucht, den Hafen bis zum Zuckerhut. Der Ausblick ist sensationell und der Aufbau einer Favela sehr beeindruckend. Verschachtelte Gänge, Häuser eng nebeneinander stehend und die Stromleitung zum Greifen nah.

Auf einem Sportplatz, am Anfang der Favela, hat eine Informationsveranstaltung bezüglich des Seilbahnbaus, welcher extra für die Olympia und WM2014 gebaut werden soll, stattgefunden. Sie soll Touristen an den obersten Punkt der Favela transportieren, damit sie die schöne und einzigartige Aussicht genießen können. Für den Bau müssen viele Bewohner der Favela ihre Häuser verlassen. Die betroffenen Häuser werden mit Nummern markiert, sodass viele erst kurz vorher erfahren ob sie ihre Häuser verlassen müssen oder nicht. Unternehmen bieten den Anwohnern einen gewissen Betrag, damit sie ihre Häuser verlassen. Favelas sind informelle Siedlungen, bei denen die Bewohner nicht über legalen Wohnraum verfügen. Dadurch haben sie wenig Rechte, um gegen die großen Unternehmen anzugehen. Im Rahmen hiervon setzen sich Organisationen wie dieFNRU oder auch das deutsche Konsulat, für betroffene Anwohner ein. Ganz getreu dem Motto: „Obdachlos oder ohne Dokumente. Jeder hat ein Recht in der Stadt zu leben“, können sich hier Betroffene zusammenschließen und gegen die Unternehmen angehen. Die Organisationen setzen sich also für den Lebensraum der Menschen ein und gehen gegen den Seilbahnbau an.

Parque Large – Indianerbemalung

Auf dieser Veranstaltung hatten Kinder die Möglichkeit sich von Thini-á mit original Indianerfarbe anmalen zu lassen. Die rote Farbe wird aus der Furcht Urucum gewonnen und muss mit Wasser angerührt werden, bevor man sie benutzt. Der Platz ist in der Nähe des botanischen Gartens, das Ambiente hat super zum Thema der Veranstaltung gepasst. Man hat sich ein bisschen wie im Dschungel gefühlt. Thini-á hat mit den Kindern und Eltern gesungen und getanzt und von seiner Kultur gesprochen. Dadurch, dass die Kinder große Begeisterung zeigten, hat Thini-á die Eltern ebenso sensibilisieren können, sodass eine interessante Dynamik entstand. Jung und Alt tauchten für mehrere Stunden in die Welt der Fulni-ô ein.

Little monkeys in the bush!

Bericht 2 – Affenbande –

 

Tach!  Um sie zu sehen, gehen wir in den Zoo, ich muss nur in den Garten schauen und sehe ihnen zu, wie sie die leckeren Bananen, die Marianna vergessen hat zu ernten, genießen. Die Schweine…äh Affen. Sie sind ja echt süß, wenn sie so ganz heimlich, still und leise auf dem Baum sitzen und sich mit Bananen den Bauch vollschlagen. Ich sitze gerade auf der Veranda von Marianna und schreibe…ihr lest es ja gerade. Nebenbei esse ich einen Apfel und werfe den Grotzen (Apfelrest) in den Garten. Schwing und zack ist die Affenbande um mich. Marianna holt mehr Äpfel, schneidet sie klein und füttert die gierigen, offensichtlich hungrigen Äffchen. Ganz schön beeindruckend, wie zutraulich die sind. Jetzt wird es ja langsam Winter in Brasilien, das Thermometer misst immer noch 22 Grad und mehr, die Bäume tragen weniger Früchte, eine gute Gelegenheit die Affen zu zähmen. Was ich auch festgestellt habe, dass die Sagüis – so heißt diese Affenart – einen immer beim Essen in die Augen schauen. Sie sind sehr wachsam und lassen ihre Umwelt trotz Hunger nicht aus den Augen. So ein Affenleben kann schon ziemlich gechillt sein. Jeden Tag von Baum zu Baum hüpfen, Bananen, Papaya, Avocado oder andere Leckereien, die sich gerade auftreiben lassen, essen und mit seinen Homies rumspringen und Blödsinn machen. Ok zugegeben machen das ja einige von uns auch…so viele parallelen, nicht nur in der Genetik.

Thini-à hat auch mal eine Geschichte mit einem Affen erzählt:

Bei den Indianern ist es so, dass der Vater für den größten Teil der Erziehung des Jungens und die Mutter für die hauptsächliche Erziehung der Tochter verantwortlich ist. Die Tochter verbringt demzufolge die meiste Zeit mit der Mutter im Stamm und der Sohn mit dem Vater, um zu jagen. Eines Tages ging Thini-à mit seinem Vater mal wieder auf die Jagd. Wichtig beim Jagen ist, dass man leise, schnell und möglichst unauffällig ist – logisch. Ein Indianer schleicht also von Busch zu Busch oder von Gestrüpp zu Gestrüpp und ist auch dementsprechend bemalt und getarnt. Naja, wie dem auch sei, lange in einem Gebüsch sitzend, zeigte sein Vater auf einen Bananenbaum, auf dem ein Affe saß. Der Vater nahm Pfeil und Bogen und zielte auf den Affen. Es verging ein kurzer Moment, als sein Vater schließlich den Pfeil und Bogen sank. „ Thini-à sieh dir den Affen an. Seine Augen bitten mich, ihn nicht zu töten. Siehst du die Angst in seinen Augen?“ Thini-à war im ersten Moment etwas verwundert, denn er hatte gelernt, immer mit einer Beute zurück ins Dorf zu kommen. Der Vater sagte: „ Es ist egal, ich kann den Affen nicht töten. Wir werden weiter gehen und etwas anderes fangen.“ Thini-à und sein Vater schlichen weiter. Seit diesem Tag tötete Thini-à keine Affen und erzählte später, als er älter war, den anderen Jungen die gleiche Geschichte.

Ein japanisches Sprichwort sagt: „ Me wa kokoro no kagami“„Die Augen sind der Spiegel der Seele.“ Der Augenkontakt ist, egal in welcher Kultur, ein Ausdruck nonverbaler Kommunikation. Ich beherrsche nicht wirklich gut die portugiesische Sprache, was jedenfalls auch eine Unsicherheit in mir auslöst, denn man muss in manchen Situationen blind vertrauen, bzw. auf seine Intuition hören, oder einfach in die Augen des Gegenübers blicken. Durch den Blickkontakt baut man eine Beziehung zueinander auf. Blickt man kurz in die Augen, wie beispielsweise beim Vorbeilaufen, schenkt man diesem nicht mehr so viel Aufmerksamkeit. Unterhält man sich mit einer Person länger, oder blickt man einem Menschen länger in die Augen, entsteht eine Beziehung zueinander.

Der Sehsinn spielt eine sehr wichtige Rolle, durch ihn werden viele Wahrnehmungen an unser Gehirn gesendet. Ferner bringen wir durch die Augen sehr viele Emotionen zum Ausdruck. Wenn wir lachen, verändert sich der Blick, wenn wir weinen, füllen sich unsere Augen mit Tränen, wenn wir wütend oder nachdenklich sind, wird unser Blick starr. Man übermittelt, wenn man so will, seinen Seelenzustand mit den Augen. So war es ja auch bei der Geschichte von Thini-à, als er mit seinem Vater auf der Jagd war.

Der Augenkontakt hängt eng mit kulturellen Aspekten zusammen. In Deutschland schaut man sich meist nur bei Gesprächen in die Augen. In U-Bahnen, Bussen, Zügen oder in der Schlange im Supermarkt lebt jeder in seinem eigenen Mikrokosmos und der Boden wird zum Objekt des Blickes. Wenn, dann streifen sich nur kurz oder flüchtig die Blicke. In Brasilien ist dies anders. Der Augenkontakt ist hier ausgeprägter, intensiver und man kommt dadurch viel leichter und häufiger in Kontakt mit Menschen. Bei den Fulni-ô spielt der Augenkontakt eine sehr wichtige Rolle und ist ein großer Bestandteil der Kommunikation. Irgendwie auch logisch, wenn man im Busch sitzt und auf eine Beute wartet, ist es vorteilhaft mit seinem Jagdpartner mit den Augen zu kommunizieren. Meine Wurzeln sind aus dem Iran, meine Mutter ist in Maschad geboren, ist aber Armenierin. Wenn ich mich an unsere Reisen in den Iran zurückerinnere, fällt mir auf, dass die islamische Kultur nicht viel mit den Augen kommuniziert.  Der Blickkontakt wird hier eher belästigend interpretiert. Es könnte ein Schutz der Seele sein. Ist es nicht auch so, dass wenn man traurig ist, eher auf den Boden blickt, als in die Weite. Der Blick verschließt sich. Wenn man fröhlich ist, ist die Seele offener und der Blick auch. Das ist zumindest bei mir so. Könnte man dann auch die These aufstellen: je verschlossener die Kultur, desto zurückhaltender der Augenkontakt?

Wer kennt es nicht, dass der Gesprächspartner in einer Unterhaltung einen anderen Anhaltspunkt sucht als das Gesicht des Gegenübers? Mir fällt das bei sehr vielen Menschen auf, mit denen ich mich unterhalte. Ist es ein Schutz der eigenen Seele oder vielleicht auch ein Ausdruck von Schüchternheit, Scham oder Scheu? Ich finde, dass das auch manchmal ganz schön verunsichern kann. Wenn zum Beispiel der Gegenüber beim Reden oder Zuhören auf den Mund oder auf die Nase schaut. Dann denkt man, bzw. ich kann ja jetzt nur von meiner Wahrnehmung sprechen, dann denke ich, dass ich einen Popel oder sonst was in der oder an der Nase habe, und greife mir dann automatisch dorthin. Oder, wenn man mir beim Reden/Zuhören auf den Mund schaut, denke ich, dass ich irgendetwas am Mund kleben habe. Wenn ich dann nachfrage, ist es meistens nicht so. Allerdings kostet es, je nach Gesprächspartner mehr oder weniger Überwindung nachzufragen.

Abschließend will ich euch noch einen Text von dem Ethnologen Dr. Theodor Koch Grunberg empfehlen. Der Textauszug setzt sich mit der Jagd und den Waffen eines Indianerstammes aus dem Nordwesten Brasiliens auseinander. Die Fulni-ô kommen zwar aus dem Nordosten, allerdings bekommt man trotzdem einen Einblick in die Techniken, die wahrscheinlich bei den Fulni-ô ähnlich sind, wenn nicht sogar gleich. Es wird bestimmt hier und da ein paar Unterschiede geben, aber wer mehr darüber erfahren möchte, bitte schön.

Das war’s mal wieder von mir aus der Ferne. In der kommenden Woche beginnt Rio+20 und die Stadt wird sich mit vielen Menschen aus aller Welt füllen. Ich werde euch Bilder, Videos und meine Eindrücke zeigen und natürlich berichten, was die Fulni-ô hier so treiben. Suite Kaka, heißt, gute Nacht auf Yaathê, und soll mein letztes Wort für heute sein: Suite Kaka!

 

Die Fulni-ô… wer kennt sie nicht?

Servus, ich bin Anoosh, komme aus Mainz und werde die nächsten drei Monate ein meiner Meinung nach aufregendes Projekt mit den Fulni-ô, einem indigenen Volksstamm aus Brasilien, mitbetreuen. Gegenwärtig befinde ich mich auch in Brasilien, genauer in Niteroi, Muriqui. Niteroi liegt auf der anderen Seite von Rio de Janeiro, mit der Fähre braucht man ungefähr 15 Minuten um von einem Ufer zum anderen zu kommen.

Worum geht’s?!

Im Juni findet in Rio de Janeiro eine Nachkonferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (bekannt unter Rio+20, 20 Jahre nach der ersten Konferenz) statt. Im Rahmen dieser Konferenz sind kulturelle Veranstaltungen geplant, die unter anderem an 25 U- Bahn Stationen über 40km in Rio de Janeiro stattfinden werden. Thema dieser Veranstaltungen wird unter anderem der Naturschutz sein. Darüber hinaus ist ein Buch in Planung, welches über die Lebensphilosophie, Kultur und Traditionen der Fulni-ô erzählen wird. Das Buch wird auf Portugiesisch und Englisch veröffentlicht. Bei wem ich mit meinen Berichten also Interesse wecke,der kann dann noch mehr in die Tiefen der Fulni-ô eintauchen. Thini-á, ein Mitglied und der Initiator und Erzähler des Buches gibt einen ganz besonderen Einblick in seine Kultur. Ich werde also nicht nur als Projektassistentin unter anderem bei den Veranstaltungen, welche für die Fulni-ô geplant sind, tätig sein, sondern gebe euch quasi aus zweiter Hand noch einen Einblick in die Kultur. Wen es interessiert, einfach immer mal wieder hier bei FICKO reinschauen.

Wer sind eigentlich die Fulni-ô?

„Mein erster Blick auf die Welt”, ist die Übersetzung des Namens Mutter auf Yaathê. Ich finde, das ist eine schöne Einleitung um euch die Kultur der Fulni-ô vorzustellen.Die Fulni-ô sind ein indigener Volksstamm aus Aquas Belas, einem Ort, der im Nord-Osten Brasiliens am Rio Ipanema im Staat Pernambuco liegt. Sie gehören zu dem einzigen Stamm im Nordosten, der noch seine eigene Sprache „Yaathê“ spricht. Diese wird vier Jahre in der ortsansässigen Schule gelehrt, welche die Kinder vor der Sekundarstufe besuchen müssen. Derzeit zählt der Stamm 5000-6000 Mitglieder. An 90 Tagen,von September bis November zelebrieren sie ihr Ritual „Ouricuri“, welches den Namen des Ortes trägt. In diesen 90 Tagen leben sie wie ihre Urvorfahren, um ihre Tradition aufrecht zu erhalten. Mittlerweile besitzen sie noch 11.500 ha Land, welche auf 427 Grundstücke verteilt sind.

Die Fulni-ô haben sich aus vier Stämmen zusammengeschlossen, die mit der Zeit zu klein wurden. Die vier Stämme,( Brogada, Fôclassa, Koktá und Carrijô) entschlossen sich also eins zu werden und nannten sich Fulni-ô. Übersetzt heißt der Name:„Das Volk, das am Rande des Flusses leb“t. Wie so vieles auf Yaathê, ihrer Sprache, drückt der Name genau das aus was es ist bzw. worum es geht. Die Frage, ob der Stamm in der Wüste angesiedelt ist, erübrigt sich mit diesem Wissen also. Auf den Aufbau der Sprache werde ich auch noch eingehen, aber jetzt erstmal zum Aufbau des Stammes.

Der Stamm selbst ist noch mal in fünf Clans aufgeteilt. Jeder dieser Clans hat eine bestimmte Aufgabe und Verantwortung. Ich fand es sehr interessant, als Thini-á davon erzählt hat, denn man kann das schon ein bisschen mit dem Aufbau unserer Gesellschaft vergleichen. Ich stelle jeden Clan jetzt erstmal vor, dann wisst ihr schon was ich meine.

Capybara/Wasserschwein: Sie sind für das Organisatorische innerhalb des Stammes zuständig und aus diesem Clan stammt immer derCacique(Häuptling).In ihr Aufgabengebiet fallen unteranderem Administrative Tätigkeiten. Vergleichbar ist dieser Clan wahrscheinlich mit unserem Parlament und der Cacique (ausgesprochen etwa so: Kasiki) mit unserer Bundeskanzlerin, der Merkel.

Storch:Sie sind die Mediziner und heilen bei Krankheit oder wenn der Schuh mal drückt. Aus ihrem Clan wird der Pajé gewählt, der spirituelle Geistige Führer sozusagen. In unserer Kultur würde diese Rolle wahrscheinlich ein Priester einnehmen. Er wird bei wichtigen Fragen und Geschehnissen zu Rat gebeten und steht in enger Verbindung mit den Spirits.

Habicht:Aus diesem Clan kommen die Psychologen. Sie werden bei wichtigen Entscheidungen um Rat gebeten.

Schildkröte:Die Schildis sind für das künstlerische Engagement zuständig. Tanz, Kunst, Gesang, Schauspiel und Körperbemalung werden von ihnen inszeniert. Thini-á, der Erzähler des Buches ist von diesem Stamm, was man auch merkt. Er hat keine Scheu sich zu präsentieren, zu singen, zu tanzen und zu erzählen.

Salbei:Der Clan des Salbei kann man mit unserer Justiz vergleichen. Dieser Clan ist neutral und nimmt die Rolle des Friedensstifters ein. Um eine Neutralität zu schaffen, dürfen sie nicht so intensiv wie die Anderen am gesellschaftlichen Leben des Stammes teilnehmen. Sie nehmen eher eine beobachtende Rolle ein. Ferner schaffen sie die Balance innerhalb des Stammes und werden nur bei ernsthaften Unstimmigkeiten zu Hilfe gezogen. Während die anderen vier Clans so viele Kinder auf die Welt bringen dürfen wie sie wollen, ist die Anzahl beim Clan des Salbei auf ein Kind beschränkt. Der Grund hierfür ist, dass der Clan des Salbeis nicht größer als die anderen Clans werden soll, damit die Neutralen nicht in die Überzahl kommen. Ferner soll das Gleichgewicht im Clan selbst nicht ins Schwanken kommen.Die Kinder dürfen auch nur mit den Kindern innerhalb ihres Clans spielen, damit sie neutral aufwachsen und keine engere Beziehung zu den Kindern der anderen Clans aufbauen. Das wirkt für uns vielleicht ungerecht, weil wir das so nicht kennen. Für die Fulni-ô, in dem Fall den Clan des Salbei ist dies ganz normal. Sie werden damit sozialisiert.

Die zwei verantwortungsvollsten Rollen innerhalb des Stammes nehmen der Cacique und als zweite Hand der Pajé ein. Der Pajé wird von dem Clan des Capybara und des Salbei auserwählt. Die Rolle wird mit dem Tod beendet. Bei den Fulni-ô ist der jetztigePajé gerade mal 23 Jahre alt.

Ein Gedanke kam mir bei dem Aufbau des Stammes. Zusammengeschlossen haben sich die Fulni-ô aus vier Stämmen. Wenn man den Clan des Salbei mal außen vor lässt, da sie ja sowieso eine neutrale Rolle einnehmen, dann haben die Fulni-ô vier Clans. Man könnte die Hypothese aufstellen, dass diese vier Clans eine Spiegelung der vier Stämme sind. Hier muss ich Thini-á noch ein wenig ausquetschen…

So jetzt habt ihr schon mal einen groben Überblick, wie der Stamm der Fulni-ô aufgebaut ist und was die Thematik sein wird, mit der ich euch Volltexten werde. Vorab noch, ich erhalte die ganzen Geschichten und Informationen von Thini-á aus erster Hand. Anthropologische Nachforschungen werde ich in den drei Monaten nicht machen. Ab und zu werden bestimmt unklare bzw. für uns nicht nachvollziehbare Dinge auftauchen. Ihr könnt mir jederzeit Fragen stellen, ich versuche diese so gut es geht zu beantworten. Es liegt auch teilweise an Thini-á, wie viel Infos er mir mitteilen möchte. Die Fulni-ô sind bekannt dafür, nicht zu viel von ihrer Kultur preiszugeben, um ihre Kultur zu schützen. Sie sind der Meinung wenn der „Weiße“ zu viel weis, könnte er ihre Kultur gefährden. Ihr dürft euch trotzdem auf ein paar wirklich lustige und interessante Geschichten freuen. Wenn ich mal eine Frage nicht beantworten kann, weil ich einfach nicht mehr aus Thini-á ausquetschen konnte, dann dürft ihr mir das nicht übel nehmen.


Eine Person möchte ich euch noch Vorstellen, denn ohne Sie hätte ich niemals die Chance bekommen an dem Projekt zuarbeiten: Marianna Kutassy. Sie ist Kulturproduzentin und für die Organisation der Veranstaltungen verantwortlich. Ich lebe bei ihr in Muriqui, in einem schönen Haus mitten im Regenwald. Auch hier passieren spannende Dinge. Davon auch ein andermal.

Bis jetzt war’s das von mir.

Stadtverbot in Frankfurt nächste Woche

Folgendes erreichte uns vorhin per Mail. Ich habe aus der pdf diesen Text hier extrahiert, das Programm macht das nicht perfekt, manche Wörter sind noch verhunzt. Es reicht aber, um den Inhalt zu erfassen, der grob übersetzt das hier sagt: “Sie dürfen nächste Woche nicht in die Frankfurter Innenstadt reisen, weil sie am 31. März in der Frankfurter Innenstadt waren. Daher vermuten wir, dass sie gewaltbereit und gefährlich sind, Demonstrationsfreiheit gilt nur für die, die sie nicht nutzen wollen.”
Ganz bestimmt gibt es auch ellenlange juristische Fachlegitimationen, aber so ganz sauber scheint mir das ganz nüchtern betrachtet schon nicht zu sein. Weil jemand am 31. März auf einer Demo war, dabei eingekesselt wurde, sodass die Polizei die Daten aufgenommen hat, gilt die Reisefreiheit nicht mehr? Ich weiß schon, dass das sehr gängiges Gängeln ist, aber es wissen halt noch nicht alle.

Und ich habe mich sehr aufgeregt über die Idioten, die anscheinend bei M31 auf jemanden, der am Boden lag, eingetreten haben. Solch ein widerliches Verhalten führt ganz bestimmt nicht zu einer Verbesserung der Zustände. Andererseits weiß ich eben aus eigener Erfahrung auch, was die Polizei alles bei fast jeder Demo, die über “Bitte bitte, liebe Arschlöcher, seid doch so nett, nicht mehr so böse zu sein” hinausgeht, an Scheiße baut, selbst durch Agents provocateurs die Randale herbeiführt, die sie zur Legitimation ihrer eigenen Ausschreitungen braucht etc.. Das rechtfertigt nicht die Arschlöcher, die auch im Schwarzen Block mitlaufen, das entzerrt aber das Bild, das in aller Regel in den größeren Medien von Demonstrationen mit Gewalt herrscht.

Schon gar nicht ist mir als Laie aber ersichtlich, wo die Sippenhaftlogik mit dem Grundgesetz einhergeht. Es werden ja auch zufällige Passanten eingekesselt und dann mitunter viele Stunden lang nicht freigelassen. Das allein ist dann schon ein Grund dafür, Grundrechte einzuschränken. Kann mir das mal jemand erklären? Mir scheint es eher darum zu gehen, Proteste zu kriminalisieren, die “konservative” spanische Regierung macht es gerade vor.

Ich selbst bin ja noch nicht auf der Schwarzen Liste, also werde ich mich nächste Woche nach Frankfurt begeben und meine Meinung über unseren Kapitalismus kundtun. Kommt auch, sogar CDU und FDP rufen schon auf!

Wer auch so ein Stadtverbot, das in der Regel nur die Dons aus dem Rotlicht- statt dem Blaulichtmilieu aussprechen, erhalten hat, soll sich übrigens bei der Roten Hilfe melden.

ffm@rote-hilfe.de

Die kennt man von Kurt Tucholsky und der war eh King :) .

Wir sehen uns in Frankfurt!

Der Brief:

“Polizeipräsidium Frankfurt am Main

HESSEN

Abteilung Einsatz

Polizeipräsidium ” Postfach 50 03 23 ” 60393 Frankfurt am Main

Bearbeiter/in: ——
Herr Durchwahl: ——
Fax: ————–

Name, Vorname

Email: —–
Postanschrift

Datum: –.05.2012

VERFÜGUNG

Sehr geehrte————-

in obiger Angelegenheit ergeht folgende Verfügung:

1. lhnen wird für den Zeitraum vom 16. Mai 2012,7:00 Uhr, bis 20. Mai 2012,22:oo
Uhr, der Aufenthalt in dem aus beiliegender Karte ersichtlichem Bereich
(Begrenzungen rot markiert) des Stadtgebiets Frankfurt am Main verboten. Die Karte
ist Bestandteil der Verfügung.

2. Für Ziffer 1 dieser verfügung wird die sofortige vollziehung angeordnet.
3. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wird die Anwendung unmittelbaren Zwangs
durch Polizeivollzugsbeamte und darüber hinaus ein Zwangsgeld von 2.000 €, bei
Uneinbringlichkeit Anordnung von Ersatzzwangshaft , angedroht.

Begründung:

1.
Sie sind bei der Versammlung ,,M 31 -European Day of Action against Capitalism”
am 31 . März 2012 in Frankfurt am Main polizeilich in Erscheinung getreten.

An diesem Tag fanden in der Frankfurter Innenstadt schwere Ausschreitungen statt, die schlussendlich zur Auflösung der Versammlung führten, aber auch danach noch andauerten.

Bereits zu Beginn des Aufzuges wurden erste Sachbeschädigungen, unter anderem
zum Nachteil der Europäischen Zentralbank, durch Werfen von Steinen und
Glasflaschen begangen. Weiterhin wurde verbotswidrig Pyrotechnik gezündet sowie
Sachbeschädigungen mittels Chemikalien (teerähnliche Substanz) und Farbbeuteln
begangen. Hierdurch wurden Einsatzkräfte der Polizei und Unbeteiligte willkürlich
verletzt. Darüber hinaus wurden Müll und Baucontainer in Brand gesetzt und die
Fensterscheiben zahlreicher Geschäfte und Banken sowie am Gebäude der
Stadtpolizei beschädigt bzw. zerstört.

lm Rahmen der Ausschreitungen wurden von 474 Gewalttätern gemeinschafilich

Straftaten nach §§ 125, 125a (-schwerer -Landfriedensbruch), ss 223 tt.

(-gefährliche -Körperverletzung) und s 303 (sachbeschädigung) des

Strafgesetzbuches (SIGB) sowie § 27 des Versammlungsgesetzes (VersG -Führen

von Waffen, Vermummung bei einer öffentlichen Versammlung) begangen. lm Zuge

der Ausschreitungen wurden ca. 480 Tatverdächtige festgenommen. Hierzu gehörten

auch Sie.

Für den Zeitraum 16. -19. Mai 2012 sind von diversen Anmeldern öffentliche

Versammlungen zum Themenkomplex ,,Eurokrise”, ,, Eltropäische Solidarität gegen

das Krisenregime”, ,,Wirtschaftspolitik, Politik und Strategien von EZB und Troika und

deren Akteltre”, ,,Rave gegen Troika” u. a. angemeldet worden.
Durch das Bündnis ,,Blockupy Frankfurt” (www.blockupy-frankfurt.org) wird zu den
europaweiten Aktionstagen vom 16.-19. Mai 2012 unler dem Motto ,,BLOCKUPY! besetzen,
blockieren, demonstrieren” aufgerufen. Seitens des Bündnisses, das sich
in weiten Teilen aus Gruppierungen zusammensetzt, die berelts für die Versammlung
am 31.03.2012 zur Teilnahme mobilisiert haben, werden Massenblockaden,
Besetzungen sowie die Lahmlegung des Bankenviertels der Stadt Frankfurt, speziellder Europäischen Zentralbank propagiert. Hiermit soll zielgerichtet verhindert
werden, dass die Bankmitarbeiter an ihre Arbeitsstelle gelangen. Die BehinderungDritter wird damit zielgerichtet angestrebt, was zwangsläufig zumindest eine
Nötigung im Sinne des § 240 SIGB darstellen würde.
Darüber hinaus sind nach derzeitigen Erkenntnissen der Stadt Frankfurt am Main
sowie hiesiger Behörde gleichgeartete Ausschreitungen mit den oben bezeichneten
Straftaten zu enrvarten wie am 31. März 2012, weshalb die einzelnen
Versammlungen zwischenzeitlich seitens der Stadt Frankfurt am Main nach § 15
Abs. 1 VersG verboten wurden.

2.
Nach § 31 Abs. 3 des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und
Ordnung (HSOG) können die Polizeibehörden einer Person für eine bestimmte Zeit
das Betreten und den Aufenthalt in einem bestimmten örtlichen Bereich innerhalb
einer Gemeinde verbieten, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass die

Person in dem Bereich eine Straftat begehen wird.

Ein solcher Gefahrenverdacht liegt in lhrem Falle vor. Aufgrund der polizeilichen
Erkenntnisse über Sie im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vom 31 . März
2012 steht zu befürchten, dass Sie fest in der gewaltbereiten linksextremistischen
Szene integriert sind, auch an den verbotenen Versammlungen teilzunehmen

beabsichtigen und dabei im oben genannten Gebiet der Stadt Frankfurt am Main
Straftaten gemeinschaftlich mit anderen linksextremistischen Gewalttätern Straftaten

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Polizeipräsidium Frankfurt am Main

nach § 113 (widerstand gegen Volrstreckungsbeamte), ss 12s f.

(Landfriedensbruch),

s^s _2_23 r. lroiperverretzung), 5 ä+o (Ncitiiungj und § 303

(Sachbeschädigung) SIGB sowie § 27 (Führeä’ von Waffen bei öffenflichenVersammlungen) VersG begehen werden.

Wegen Gefahr im Vezug wird von ei.ner vorherigen Anhörung abgesehen (§ 2g Abs.2 Nr. 1 Hessisches Venvartungsverfahrensgesetl -HvwvfG r)

Nach-Abwägung aller Umstände mache ich von der Befugnis nach § 31 Abs. 3HSOG wie unter Ziffer 1 der Verfügung dargelegt Gebrauch. Die Maßnahme isterforderlich und für Sie auch zumutbai. tns-besönoere ist kein schüEenswertesberechtigtes lnteresse ersichtlich, sich gerade für den Verbotszeitraum in derverbotszone aufhalten zu können. Zwar gäit oie verfügung in thre Grundrechte aufpersÖnliche Freiheit (Art. 2 Abs. 2 Sltz 2 Grundgesetz -GG -) und Freizügigkeit

(lrt 11 Grundgesetz) ein. Diese Freiheitsrechie haben jedoch vorliegend zur

Unterbindung der o. g’ Straftaten und zum Schutz der bedrbhten Rechtsgüter (diekÖrperliche unversehrtheit, die Fortbewegungsfreiheit und das Eigentum anderer)zurÜckzutreten. Dagegen greift das Grundrecht auf Versammlungsfräiheit (Art. g Abs.1 GG) von vornherein nicht ein, da dieses nur die friedliche verämmtunglteitnanme

schützt’ Die Teilnahme an einer wirksam und vollziehbar verbotenen Värsammlungist jedoch per se unfriedlicher Natur.
Dieser Gefahrenverdacht

besteht selbst dann, soilten eine oder mehrere der

angemeldeten Versammlungen stattfinden. Bei der Versammlung ,,M 31 -

European

Day of Action against capitatism” am 31. März 2012 hat es sich um eineangemeldete Versammlung zur selben Thematik gehandelt, die den bereitsausgeführten gewalttätigen Verlauf genommen hat.

3.
Nach § 80 Absatz 2 Salz 1 Nr. 4 Venrvaltungsgerichtsordnung (VwGo) kann dieBehÖrde die sofortige Vollziehung eines venvaäuigsakts anordnen, wenn hierfür einbesonderes öffeniliches lnteresse besteht.

Nach Abwägung aller Umstände mache ich von dieser Befugnis Gebrauch. An der
vorbeugenden Bekämpfung der bei lhrer Person zu befürchtenden Straftaten besteht
aus obigen GrÜnden ein gewichtiges öffentliches lnteresse. Dazu ist es unabdingbar,
Sie während des Verbotszeitraums vom Aufenthalt in der verbotszone
auszuschließen.

Dieser Zweck würde vereitelt, wenn das Aufenthaltsverbot bis zur Unanfechtbarkeitd-ieser verfügung ausgesetzt wäre. Daher ist es zwingend geboten, dass die

Wirkungen dieser Verfügung unverzüglich eintreten und aie aursäniebende wirkungvon Widerspruch und Klage (§ 80 Absa2 1 VwGo) ausgeschlossen wird. lhrlnteresse an einem Aufschub der Vollziehbarkeit des Aufenthaltsverbots muss hinterdiesem Öffentlichen Vollzugsinteresse zurücktreten, zumal von vornhereln keinschützenswertes lnteresse für Sie ersichtlich ist, sich zum Verbotszeitraum in derVerbotszone aufhalten zu können. Aus diesen Gründen übenuiegt das öffenllchelnteresse an der sofortigen vollziehung dieser Verfügung lhr lnteresse am Aufschub

der Vollziehung.

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Polizeipräsidium Frankfurt am Main

4.
Nach § 47 Abs. 1 i.V.m. §§ 48, 50, 52, 54 tt. HSOG kann das Aufenthaltsverbot
durch ein Zwangsgeld von bis zü 50.000 € sowie durch unmittelbaren Zwang durch
Polizeivollzugsbeamte zwangsweise durchgesetzt werden. Nach Abwägung aller
Umstände erscheint die Androhung beider Zwangsmittel geboten, da Sie sich in der

Vergangenheit bereits in gesteigertem Maße gewaltbereit gezeigt haben und von der
Strafbarkeit lhres Verhaltens nicht haben abschrecken lassen. Die Zwangsgeldhöhe
von 2.000 € liegt dabei noch im unteren Bereich des o.g. Rahmens.

Rechtsbehelfsbelehrung

Gegen diese Verfügung können Sie innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe
schriftlich oder zur Niederschrift bei der Behörde Widerspruch beim Polizeipräsidium
am Main, Abteilung Venualtung, Adickesallee 70, 60322 Frankfurt am Main, einlegen.
Es empfiehlt sich, den Widersfruch zu begründen.

lm Auftrag

Name

Abteilungsdirektor

(Dr’eses Schreiben wurde maschinellerstellt und ist daher auch ohne tJnterschrift gültig)

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Moop Mama in Mainz – Gewinnspiel

Moop Mama machen geile Blasmusik. Eine elfköpfige Marching Band mit Tuba, Posaune, Saxofon, Trompete, Schlagzeug und sowas. Und mit Rap. Rap mit so richtig echten Instrumenten ist ja durchaus manchmal übertrieben scheiße uncool, aber diese Herren aus München machen das wirklich hervorragend. Keno und Bustla von Creme Fresh rappen bzw. schlagen Zeug. Man schaue sich das hier unten eingebettete Video an. Außerdem sind sie bei Mehmet Scholl auf dem Label, kein Scherz. Wär natürlich auch ein Grund, das nicht zu verpassen.
Überzeugen kann man sich zudem z.B. hier oder hier oder hier.


Jetzt treten Moop Mama nächste Woche,

am Mittwoch, den 11.4.2012

im Rahmen ihrer Deutschlandtour im KUZ in Mainz auf und weil FICKO so gut ist, gibt es zwei Mal zwei Tickets zu gewinnen. Und zwar für die Personen, die die beste Begründung, warum FICKO FICKO heißt, in die Kommentare hier, bei Facebook oder an word ät ficko-magazin . de schreiben. Die Aktion läuft bis Dienstag, den 10.4., 20 Uhr, seid erreichbar und gespannt. Ihr dürft natürlich auch malen oder singen. Und wenn ihr es nicht schaffen solltet, zu gewinnen, kommt trotzdem. Erstens kann Mainz es mal durchaus gebrauchen, dass mehr Tourstopps hier eingelegt werden, zweitens sind Moop Mama eben auch live richtig geil.

Einlass ist 19 Uhr, Beginn 20 Uhr, VVK 12€ AK 16€
Und achja, ich trete vor Moop Mama auf. Ich bin auch sehr gut, glaubt mir.

FICKO - Magazin für gute Sachen. Und gegen schlechte.
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